REISEBERICHT SIZILIEN

8 Tage Flugreise nach Sizilien - im Jahr 2008
Wer älter als 65 Jahre ist hat in Italien die sogenannte "Gnade der späten Geburt"  - er zahlt keine Eintrittsgelder für kulturelle Sehenswürdigkeiten, Museen und Tempelanlagen.

Das Frühjahr und der Herbst sind die schönste Zeit um Sizilien zu besuchen, die Zeit der Blumen und des Weines…

… Am sechsten Tage vollbrachte Gott sein Werk.

Und erglückt, so Schönes kreiert zu haben, nahm er die Erde zwischen seine Hände und küsste sie.

Dort, wo Er seine Lippen auflegte, ist Sizilien.

Renzino Barbera

 

1. Tag 29.9. Anreise nach Palermo an der Nordküste Siziliens:

3.40 Uhr sollte Start sein in der Nacht, 3:20 schnell noch einen Kaffee, die letzen Sachen waren eingepackt, Sonnencreme, Halslutschtabletten, wir hatten an alles gedacht. Plötzlich klingelt es an der Tür, das Kaffeewasser ist noch gar nicht heiß. OK, dann starten wir ohne Kaffee.

Wir stiefeln über das vor unserer Haustür frisch gefallene noch farbenfrohe Herbstlaub zur Strasse, der freundliche Busfahrer verstaut geschickt und mit Schwung unsere Koffer. "Guten Morgen", "Guten Morgen", dann starten wir in die Dunkelheit der Nacht. So richtig frisch ist wohl noch niemand im Kleinbus, außer unser Fahrer hoffentlich.

In Chemnitz steigen wir um in den großen Reisebus - mitsamt unseren Koffern - und auf geht’s nach Berlin.

Dort soll um 10.15 Uhr unser Flugzeug sich in die Lüfte schwingen und uns wohlbehalten und bei sommerlichen Temperaturen in Sizilien wieder freigeben.

Am Flughafen herrscht erstmal großer Tumult. Ein Fluggast meint sogar zu wissen, dass so eine große Truppe doch bitte zeitlich eher einchecken sollte, wie lange solle er denn nun warten bis er dran käme? Nur mit der Ruhe, wir glauben fest daran, das Flugzeug nimmt uns alle mit!

Die uns zu Füßen liegende Insel belanden wir mit harter Landung. Der herzliche Kommentar unseres Flugkapitäns, welcher uns zu dieser kraftvollen Landung beglückwünscht, entlockt uns allen ein Lachen. Wir fühlen uns von Anfang an wohl auf Sizilien. Die Temperaturen sind angenehm, die Sonne lacht bei blauem Himmel.

Drei und eine halbe Stunde gleiten wir von Palermo nach Taormina über die Strassen der Insel und genießen die mediterrane Landschaft, staunen über die hier typischen Brände auf den Feldern, welche nach der Ernte abgebrannt werden um sie zu "bereinigen" und wieder Nährboden für die nächste Ernte entstehen zu lassen. Die Erde, Sträucher und Baumstämme - alles ist schwarz, es raucht und es stinkt, wer als Insekt es nicht geschafft hat seinen Aufenthaltsbereich zu verlassen, ist schlecht dran.

In nicht offiziellen Kreisen werden die Stimmen lauter, dass dieser Brauch, das Abbrennen der Felder, für starke Erosionen verantwortlich sei. Denn die durch die Brände offene Bodenfläche ist durch die Trockenheit im Sommer und im Herbst einer starken Winderosion und im Winter einer starken fluvialen Erosion, hervorgerufen durch mediterrane Regenfällen, ausgesetzt. Große landwirtschaftliche und forstwirtschaftliche Flächen gehen so verloren. Und auch die Feinstaubverordnung der EU hat hier auch keine Chance.

Gegen 18.00 Uhr kommen wir an unserem Traumhotel an, schon allein die Auffahrt ist mit unserem gläsernen Schräglift begeisternd und bietet einen faszinierenden Blick auf das uns zu Füßen liegende Meer, das Mittelmeer, oder genauer das Ionische Meer.

Einem ungleichen Dreieck gleich liegt Sizilien im Meer - im Osten am Ionischen Meer, im Norden am Tyrrhenischen Meer und im Südwesten an der "Straße von Sizilien".

Vom italienischen Festland ist Sizilien im Nordosten durch die "Straße von Messina" getrennt, die an der schmalsten Stelle nur etwa 3 km breit ist..

Sizilien ist mit einer Fläche von 25.708 km2 die größte Insel im Mittelmeer.

Geologisch gehört Sizilien zu Eurasien und Afrika. Quer durch die Insel verläuft die Kontaktzone der Eurasischen und Afrikanischen Kontinentalplatte, an der Nahtstelle kommt es immer wieder zu Reibungen, die heftige Erdbeben auslösen unter denen vor allem der südliche Teil Siziliens zu leiden hat, aber auch den Ätna als Touristenmagnet verdankt.

Wir sind im obersten Teil unseres Hotels angekommen, nun aber schnell auf die Zimmer und frisch machen für das Abendessen.


2. Tag 30.9. Catania und Taormina an der Ostküste Siziliens

Ein üppiges Frühstücksbuffet erwartet uns. Wer möchte, gönnt sich ein Sektfrühstück. Ein verheißungsvoller Urlaubstag beginnt.

Heute besichtigen wir die Städte Catania und Taormina. Die örtliche Reiseleiterin, eine junge Frau mit noch zu stillenden Kleinkind im Arm und Kinderbuggy in der Hand, steht pünktlich am Bus. Ein Sonderspeziell von Eberhardt-Reisen! Wir lernen hautnah das Sizilianische Kleinkind Donatella kennen! Die Mutter ist Ungarin, der Vater Deutscher. Alle drei leben sie nun in Sizilien - die Welt wird kleiner, wir Menschen rücken zusammen.

Catania ist mit 340.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt der Insel. Wir sind angekommen.

Erstmal schnell zur Toilette von McDonalds gerannt. Das morgendliche gesunde Wassertrinken gestaltet sich auf dieser Busreise schwierig. In der Wüste erledigt sich dieses menschliche Problem bei weitem einfacher. J

Die "Fontana dell'Elefante" - der "Elefantenbrunnen", das Wahrzeichen der Stadt Catania schmückt im ältesten Stadtteil die "Piazza del Duomo" vor dem Rathaus. Der Brunnen stellt einen schwarzen Lavaelefanten dar, der auf dem Rücken einen ägyptischen Obelisken aus Granit trägt.

Die Bedeutung der Statue ist nicht eindeutig geklärt. Der Elefant soll Stärke und Langlebigkeit symbolisieren, besondere Eigenschaften, die auch die Catanesen auszeichnen. Mehrmals von Naturkatastrophen heimgesucht, bewiesen sie immer wieder durch den Neuaufbau ihrer Stadt große Willenskraft.

Der Obelisk, mit einer Reihe von ägyptischen Hieroglyphen verziert, wird mit der Göttin Isis, die Gemahlin des Osiris, einer der Herrscher im alten Ägypten in Verbindung gebracht.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Catania   Das Wahrzeichen Catanias, der Elefentenbrunnen

 

Der antike Fischmarkt "La pescheria" befindet sich gleich in der Nähe. Hier staunt man über den Trubel und das laute Geschrei der Fischhändler. Ohne Feilschen und lautes Diskutieren wird hier kein Geschäft abgeschlossen. Und man staunt über die Vielzahl der Fischarten. Der Schwertfisch, "pesce spada" und der silberglänzende "pesce spatola", der zusammengerollt auf Holzkisten in der Sonne schimmert, sind nur einige Fischarten aus dem reichhaltigen Angebot.

  Romyland Reiseberichte, Sizilien, Catania    Fischmarkt in Catania, Sizilien

Wir fahren mit dem Bus durch die engen Strassen Catanias. Die Wohnungen in den schönen alten Gebäuden der Stadt sind nicht mehr finanzierbar für die Menschen hier, man kann sie nur erben, nicht bezahlen, so erklärt uns die Reiseleiterin. Und sie erzählt uns über die heilige Agatha van Catania.

Agatha van Catania wurde auf Sizilien als Tochter wohlhabender Eltern geboren und der heidnische Statthalters von Sizilien, Quintianus, machte ihr eines Tages einen Heiratantrag. Doch als Christin lehnte sie diesen Heiratsantrag ab und wurde deshalb von ihm bestraft. Quintianus ließ sie für einen Monat in ein Freudenhaus stecken. Da sie ihn nach dieser Zeit immer noch ablehnte, veranlasste Quintianus ihre Verurteilung und ließ ihr die Brüste abschneiden.

 

Nach dieser Folter soll ihr der Legende nach des nachts der heilige Petrus erschienen sein und ihre Wunden gepflegt haben. Als man dies bemerkte, ließ Quintianus sie auf glühende Kohlen legen, wodurch sie letztlich nun doch noch starb

Etwa ein Jahr nach ihrem Tod brach der Ätna aus, und die Einwohner von Catania zogen mit dem Schleier der Heiligen dem Lavastrom entgegen, der daraufhin zum Stillstand kam.

Agatha liegt im Dom von Catania begraben und ist die Schutzpatronin der Malteser, der Stadt Catania, der Armen und Hirtinnen, der Glockengießer, der Weber sowie der Goldschmiede. Sie gilt als Helferin bei Brusterkrankungen, bei Viehseuchen, Erdbeben und bei Ausbrüchen des Ätna.

In den nördlicheren deutschsprachigen Gebieten sowie der Schweiz ist sie die Schutzpatronin der Feuerwehren.

Scherzhaft nennt man die Heilige Agathe von Catania auch die Schutzheilige von „Catan“, der fiktiven Insel, um die sich Klaus Teubners populäres Brettspiel „Die Siedler von Catan“ dreht.

Im Jahre 2006 herausgegebenen jüngsten Erweiterungssatz von „Catan - Das Kartenspiel für zwei Spieler“ hat Agathe auf einer eigenen Karte daher eine würdige Hommage in Form einer ihr geweihten Kapelle erhalten.

In vielen Gegenden wird am Gedenktag der hl. Agatha Brot gesegnet. Wenn jemand von diesem gesegneten Brot isst, sind er und seine Äcker vor Schaden geschützt. Der Schleier der heiligen Agatha wird, wie einige andere Reliquien, im Dom von Catania aufbewahrt. Die größte Knochenreliquie, ein Stück des Schädelknochens, wird im Kloster Kamp ausgestellt.

 

Längere Zeit verweilen wir im "Castello Ursino", einem quadratischen Kastell mit runden Ecktürmen, gegründet von Kaiser Friedrich II. von Hohenstaufen im 13. Jahrhundert. Im Inneren befindet sich ein Museum, das "Museo Civico". Es heißt, dass dieses festungsartige Schloss früher auf einem Hügel am Hafen stand und ein Ausbruch des Ätnas im Jahre 1669 die ganze Umgebung verändert hat. Durch den herabgeflossenen Lavastrom wurde ein Teil des Hafenbeckens zugeschüttet und die Bodenfläche um über zehn Meter erhöht. Der Lavastrom zerstörte die Stadt, aber nicht das Schloss. Im Wassergraben sieht man noch heute den Lavastrom, der hier zum Stillstand kam.

  

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Castello Ursino   Das Castello Ursino, Sizilien

 

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Castello Ursino   Lavastrom, der hier im Wassergraben des Castello Ursino zum Stillstand kam

Es gibt eine U-Bahn in Catania. Doch keiner fährt mit ihr! Denn die Sizilianer haben Angst unter die Erde gehen. Fünf Millionen Sizilianer gehen lieber zu Fuß oder fahren mit dem Auto durch enge Gassen.

Unser nächstes Ziel ist das Griechische Theater in Taormina.

Wir sitzen im Bus auf der Fahrt zum vielleicht schönsten Ort Siziliens, nach Taormina, und befinden uns einige Kilometer nördlich von Catania. Hier können wir die sagenumwobenen Zyklopenfelsen im Meer von Acireale bewundern über deren Alter sich die Geologen bis heute streiten. Fakt ist, jedenfalls der griechischen Mythologie nach, dass hier die Riesen mit nur einem Auge in der Mitte der Stirn lebten und sich hier die Legende von Odysseus abspielte. Die Zyklopenfelsen sind die Felsen, die der erblindete Polyphem dem flüchtenden Odysseus hinterher warf.

Polyphem ist in der griechischen Mythologie ein Kyklop oder auch Zyklop genannt, ein einäugiger Riese. Er ist ein Sohn des Poseidon und der Meeresnymphe Thoosa, Tochter des Phorkys. Odysseus landete während seiner Heimkehr aus dem Trojanischen Krieg - seiner "Odyssee" - auf dieser Insel und betrat mit seiner Mannschaft Polyphems Höhle. Man stellte sich vor, und Odysseus erwies seine listige Vorsicht, indem er sich "Outis" nannte, was soviel  wie "Niemand", "Keiner" bedeutet.

Polyphem, der von Telemus vor Odysseus gewarnt wurde, gewährte kein Gastrecht - das kannten die Zyklopen nicht - sondern rollte einen Riesenfels vor den Ausgang und kündigte an, sie alle fressen zu wollen.

Nachdem er diese Drohung an einigen Gefährten des Odysseus wahr gemacht hatte, konnte dieser ihn blenden, indem er dem mit Wein schläfrig gemachten Riesen einen glühenden Pfahl in sein einziges, mitten auf der Stirn befindendem Auge - das "Zyklopenauge" - stieß. In seinem Schmerz schrie Polyphem die anderen Zyklopen herbei. Auf ihr Fragen hin rief er, Niemand habe ihn geblendet, Niemand habe versucht ihn zu ermorden. Daraufhin kümmerten sich die anderen Kyklopen nicht weiter um ihn.

Als der Geblendete seine Schafe am nächsten Morgen zur Weide hinauslassen musste, tastete er alle ab. Odysseus und seine Gefährten konnten aus der Höhle entkommen, indem sie sich im Bauchfell der Schafe festklammerten. Odysseus verhöhnte ihn noch von seinem Schiff aus, und fast hätte ihn der Riese noch mit einem Felswurf getroffen. Der betete darauf zu seinem Vater Poseidon, also zu einem Feind des Odysseus, um Rache und bat darum, Odysseus nie wieder in seine Heimat zurückkehren zu lassen. So kam es zur zehnjährigen Irrfahrt des Odysseus, und nur durch das Eingreifen von Pallas Athene und Zeus kommt der Irrende schließlich wieder heim.

Wir Stoppen zum Mittagessen am malerischen Strand am Fuße von Taormina. Hier in der Taverne gibt es leckere frische Fischgerichte und Pizza. Und einen herrlichen Blick auf das Meer.

Romyland Reiseberichte, Sizilien   Die Strassen sind eng auf Sizilien und damit wir auch um die Kurve kommen mit unserem Bus muss das Auto, welches partout nicht anspringen wollte halt geschoben werden …

Taormina, eine Stadt mit 10.000 Einwohnern, liegt malerisch auf einem Hügel direkt am Meer und ist touristisch sehr bedeutend. Wir erklimmen den Hügel ganz bequem mit einem Pendelbus.

Am meisten beeindruckend ist hier das "Teatro Greco", das Griechische Theater, im 2. Jahrhundert v. Chr. gebaut und später von den Römern als Amphitheater umgestaltet. Zu Fuß gehen wir zu diesem wohl berühmtesten Bauwerk Taorminas.
Auch hier belohnt der Ausblick auf die Umgebung und auf den Ätna die Mühsal der Wanderung und jeden Tropfen Schweiß. Goethe soll sogar behauptet haben, das Theater hätte " …die schönste Kulisse der Welt".

Männliche Stadtbürger mussten ins Theater gehen, das Theater war der Schauplatz der Volksbildung - es bilde sich jeder seine Meinung selbst, denn neben großen Festivals und sportlichen Wettkämpfen gab es ebenso religiöse Feste, welche fast immer mit Opferungen verbunden waren. Die Griechen hatten ausschließlich Tiere geopfert.

Die Römer gingen im Brauch der Opferungen wohl einen Schritt weiter und opferten ihren "Göttern" neben Tieren auch Menschen, genauer Kinder. Und sie wollten auch in ihren Theateraufführungen Blut sehen. So standen Tierhetze und Gladiatorenkämpfe auf dem Programm. Ebenso änderte sich die Architektur, die Griechen bauten völlig anders als die Römer.

Die Römer bauten mit prachtvollen Säulen und üppigen Verzierungen, diese symbolisierten die Macht der Römer. Die Sanftheit der Natur wollten sie im Gegensatz zu den Griechen nicht im Theater haben. Natürliche Schönheit liebten sie nur wenig. Die Römer wollten große Tempel die ihre ebenso große Macht demonstrieren. Die Griechen waren mehr an Schönheit, als an Größe interessiert.

Antigone - sie war die Tochter des Ödipus und der Iokaste. Die klassische Version ihrer Sage findet sich in der gleichnamigen Tragödie des Sophokles, die wahrscheinlich 442 v. Chr. zum ersten Mal aufgeführt wurde. Daneben gibt es weitere Quellen, die teilweise von Sophokles abweichen.

Die tragische Heldin bestattet ihren auf dem Schlachtfeld gefallenen Bruder, obwohl der König – ihr Onkel – das bei Todesstrafe untersagt hat. Denn dieser sieht in dem Gefallenen einen Vaterlandsverräter und rechtfertigt seine Gnadenlosigkeit mit der Staatsräson. Antigone hingegen glaubt ihr Handeln durch göttliche Gebote legitimiert und geht deshalb guten Gewissens in den Tod.
Am starrsinnigen König erfüllt sich schließlich eine furchtbare Weissagung: Sein Sohn und seine Ehefrau begehen aus Gram Selbstmord.

Nach der Theaterbesichtigung schlendern wir durch die engen Gassen von Taormina. Viele Geschäfte halten ihre Türen offen für uns, die Touristen der Stadt. Mit den zahlreichen Kreuzfahrtschiffen, die hier anlegen, schafft es die Stadt auf täglich 5.000 Besucher. Und es gibt zahlreiche Tavernen und Restaurants, nicht nur für die Touristen. Die Italiener lieben das Essen, den Wein und die Frauen natürlich, na und eigentlich alles Schöne. Mindestens einmal die Woche gehen sie in ein Restaurant zum Speisen, sie leben als wäre morgen der letzte Tag, den sie auf Erden zu leben haben.

Für uns ist heute der letzte Tag im Hotel Antares-Olimpo, wir genießen die gute sizilianische Küche, die uns das reichhaltige Abendbuffet unseres Hotels bietet und die Livemusik der gutgelaunten Musiker. Wer will, hat Gelegenheit am Abend ein Tänzen zu drehen.

Romyland Reiseberichte, Sizilien    bunt bemaltes "Dreirad" in den engen Gassen Siziliens


3. Tag , 1.10. Ätna

Manchmal steigt aus diesem Berg bei Sonnenaufgang eine Wolke aus schwarzem Rauch und glühenden Funken auf,  die aus Asche und Pech Wirbel zeichnet, und schwankt und schwingt und jetzt leuchtende Flammen ausspuckt, die die Sterne erblassen lassen; und manchmal, aus den eigenen entwurzelten Eingeweiden, speit er gegen den Himmel ungeheure, verflüssigte Felsen und Steine, und kocht und lärmt in seinen Tiefen.
VIRGIL, Äneid, III, 900

Der Wetterbericht meldet für heute Regen. Aber wir wollen doch zum Ätna!

Die Besteigung des Ätna ist ein Muss! Viele Reisende kommen mehrmals nach Sizilien nur um endlich den Gipfel des Ätnas einmal wolkenlos fotografieren zu können. Morgens gegen 7.00 Uhr trete ich auf den Balkon heraus, eine große dunkle Wolke hängt am Himmel und verliert von ihrem Inhalt. Wie ärgerlich, ausgerechnet heute!

8:30 Uhr ist Abfahrt am Bus. Bevor ich einsteige bestelle ich noch schnell beim Wettergott schönes Wetter für unsere Ätna Besichtigung. Sollen die Wolken bitte später wiederkommen. Danke!!!

Wir fahren an riesigen Agaven vorbei, sie blühen nur einmal und bleiben einem Baum ähnlich stehen, auch wenn sie schon tot und ausgetrocknet sind. Zitronen reifen das ganzes Jahr über, die Sommerzitronen jedoch sind nicht so saftig, da es nicht regnet im Sommer. Die Orangen sind ab November reif.

Die Gegend um den Ätna ist enorm fruchtbar. Am Fuße des Berges wachsen Weinreben, Pfirsiche, Avocatos, Oliven, Eukalyptusbäume, Feigen und Kaktusfrüchte, die man zu essen gelernt haben muss, wegen der vielen kleinen Stachel. Diese kleinen Früchte haben wenig Fruchtfleisch, dafür viele kleine Körner in ihrer Mitte und schmecken süß bis leicht säuerlich. Die Sizilianer verwenden sie um daraus Marmelade herzustellen, natürlich ohne Stachel und Körner. Ebenso sind sie eine beliebte Heilpflanze, sehr gut für die Verdauung und stark reinigend, vor allem bei Gallen- und Nierensteinen. Die Frucht hat einen hohen Vitamin C Anteil und man sagt ihr nach, dass sie eine Cholesterinspiegel senkende Wirkung hat. Um den Geschmack zu steigern kann man die Frucht gut gekühlt mit Zitronen- oder Limettensaft beträufeln, mit Zimt oder Ingwerpulver bestäuben, das ganze mit Zucker, Schlagsahne und Likör verfeinern. Schmackhaft ist die Frucht auch in Obstsalaten und Sorbets.

Die Pflanze wurde im 16.  Jahrhundert künstlich im Mittelmeerraum angepflanzt und stammt ursprünglich aus Mexiko und dem tropischen Amerika. Sie wachsen überall, auch auf felsigem Gelände und brauchen nur wenig Wasser. Als Zaun gegen schädliche Tiere funktionieren sie ebenso gut, wegen ihrer vielen Stachel!

Kaktusfrüchte, wachsen an den Strassen Siziliens, vor allem im Ätnagebiet

Der Vulkan Ätna ist der größte Vulkan in Europa und einer der aktivsten der Welt. Seine Höhe beträgt etwa 3.340 Meter und er liegt an der Ostküste Siziliens. Seine Höhe ändert sich immer wieder, daher kann sie nie ganz exakt angegeben werden. Grund dafür sind die häufigen Ausbrüche des Ätna, bei denen er sich immer wieder verändert. Er besteht dabei aus einem Hauptkrater und mehr als 200 Nebenkratern. Inzwischen ist er weit über 100 Mal ausgebrochen. Durchschnittlich ist er drei Monate im Jahr aktiv. Während der Zeit fließt Lava. Die Sizilianer haben gelernt, mit dem Vulkan zu leben. Sie sagen, sie würden ihn wie einen schwierigen Freund akzeptieren. Zumindest in der Landwirtschaft profitieren sie gut von ihm.

Auch Goethe bestieg schon mit einem Bergführer den Ätna zu einer Zeit, da es noch keine Strasse gab und so der Aufstieg ganz schön beschwerlich war. Wir sitzen heutzutage bequem in einem Bus und lassen uns fahren. Die beiden kamen damals in einen Regen glühender Asche und Goethe verbrannte sich den Hut. Er kam an diesem Tag nicht bis auf den Gipfel.

Wir schon - und staunen über eine phantastische Mondlandschaft aus schwarzen Steinen und erkalteter Lava, doch von wegen erkaltet, die Steine - die Erde, auf der wir stehen - ist heiß! Wir fröstelnden Frauen kauern vor einem Erdspalt und wärmen uns wie am heimischen Kamin. Und die Steine sind super Handwärmer, manchmal so heiß, dass wir sie nicht in der Hand halten können und schnell wegwerfen bevor wir uns verbrennen.

Glauben Sie an den Wettergott?

Ich jetzt schon! Er hat mir meine Bitte erfüllt, die dicke Regenwolke ist verschwunden, der Himmel aufgelockert und der Ätna enthüllt uns gelegentlich seinen Gipfel!

Die Kameras sind gezückt, nur noch diese eine Wolke abwarten, dann ist der Gipfel überaus fotogen!

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Glück    Marienkäfer - Glück auf dem Ätna, Sizilien

Der Ätna ist nach wie vor ein aktiver Vulkan. Erst Mitte Mai 2008 war hier ein kleines Erdbeben, welches einen Lavafluss augelöst hat. Der Lavastrom floss zum Glück in ein weit abgelegenes und unbewohntes Tal, keine Weg

e führen dahin, so hat es keine Gefahr für Menschen gegeben.

Die Griechen verlegten die Werkstatt von Ephestos, der römischen Gottheit Vulkan und den Wohnsitz des mächtigstes unter den Giganten, Encelados, Sohn von Uran und Gea, in den Vulkan. Dem Mythos zufolge geschah dies aus folgendem Grund:

Der Riese Encelados hatte Zeus den Krieg erklärt. Der darüber erboste Herrscher des Olymp schleuderte nun die Blitze des Olymp gegen den Riesen und verbannte ihn in die Tiefen des Vulkans, wo er heute noch wütend Feuerflammen in Richtung Himmel speit.

Aus der Episode "Gigantomachia"
 

4. Tag, 2.10. Agrigent und Selinunt - Südsizilien

Agrigent - "…die schönste aller sterblichen Städte."

Als erstes besichtigen wir "Tal der Tempel" den Heraklestempel, der der älteste Tempel der Stadt ist. Er stürzte während eines Erdbebens ein und wurde im Zuge der Restaurierung 1923 teilweise wieder aufgerichtet.

Vorbei am Grab des Theron und der Villa Aurea gelangen wir zum Tempel der Concordia, dem besterhaltenen griechischen Tempel Agrigents. Der Name des Tempels, so sagt man,  ist willkürlich gewählt, wie bei den meisten Tempeln hier. Dieser Tempel enthüllt uns perfekte Strukturen im reinen dorischen Stil. Dorische Säulen z. Bsp. wachsen wie Baumstämme aus dem Boden, sie haben keine Basis, sprich keinen Sockel, und  verdicken sich ein wenig in der Mitte.

Man höre und staune - die Säulen sind in der Mitte am dicksten, behauptet jedenfalls unsere hiesige Kulturführerin, leider kann ich es nicht nachmessen, und sehen kann ich es auch nicht, meine Sinnesorgane lassen sich (mal wieder) ganz schön optisch täuschen.

Wenn man will, dass etwas gerade wirkt, sagt unsere Kulturführerin, muss man es leicht rund bauen. Ein hinreichend interessantes Thema, es wird der "Klassische Stil" genannt.

Die damaligen Baumeister der Tempel hatten beachtliches Wissen, welches uns heutzutage manchmal verloren gegangen zu sein scheint.

Dabei macht die Natur es uns vor und die damaligen Baumeister waren schlau genug, die Harmonie der Natur, in diesem Fall der uns hier erklärt wird die Harmonie unseres menschlichen Körpers auf den Bau der Tempel zu übertragen.

Der menschliche Fuß beträgt zum Beispiel ein sechstel des menschlichen Körpers und diese Maße wurden beim Tempelbau berücksichtigt.

Wie überall in der Geschichte unserer Welt gab es auch hier im "Tal der Tempel" in Agrigent Blütezeiten und Verfall. Es kamen neue Eroberer und Geldgeber und bauten das Zerstörte wieder auf.

Das Land hier hat schon Moscheen gesehen, dann kamen die Griechen und bauten die Tempel, die Byzantiner, sie waren Christen und wollten somit keine heidnischen Gottheiten, zerstörten alle Tempel und bauten Kirchen. Die Römer bauten die griechischen Tempel wieder auf…

Heute ist es wohl allein der natürliche Verfall, der über die Lebensspanne der noch erhaltenen antiken Bauten entscheidet.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Muschelkalk   Muschelkalkstein in der Treppe zur Villa Aurea Tempel der Concordia

Die restaurierten Tempel präsentieren sich dem heutigen Besucher in zurückhaltender Blässe. Früher waren die Tempeldächer aus Holz und sehr farbenfroh bemalt in Rot, Blau, Schwarz und Grün. Wenigsten auf der Zeichnung, welche uns unsere Kulturführerin kurz zeigte  konnten wir die alte Schönheit der Tempel bewundern.

Hier in Agrigent stehen auch die sogenannten Dioskuren, auf Griechisch: "Söhne des Zeus", die gleichzeitig Halb- und Zwillingsbrüder Kastor und Polydeukes (auch als Pollux bekannt).

Die Geschichte von Kastor und Polydeukes:
Im griechischen Mythos wohnte Zeus in der Gestalt eines Schwanes der schönen Leda bei, kurz darauf tat der ihr rechtmäßig angetraute Gatte Tyndareos desgleichen. Leda wurde Mutter von Zwillingen, Kastor und Polydeukes. Der eine stammt von Zeus, der andere von Tyndareos. Der eine ist unsterblich, der andere nicht.

Als Kastor stirbt, fleht Polydeukes Zeus um Hilfe an, er möge ihn das Schicksal mit seinem Bruder teilen lassen.
Zeus stellt ihn vor die Wahl, entweder allein im Olymp zu leben oder zusammen mit seinem Bruder zur Hälfte in der Unterwelt und zur Hälfte im Himmel zu wohnen.

Polydeukes entscheidet sich für den Bruder und beide leben abwechselnd bei den Göttern und unter der Erde.

Wir queren die Strasse und besichtigen die kolossalen Ruinen des "Tempels des Olympischen Zeus". Wir sehen noch Reste des Sockels des ehemaligen Opferaltars mit den Eingangstufen. Und wir sehen eine Figur der ehemals achtunddreißig gigantischen Figuren, dreizehn Meter hohe Figuren der "Telamone", sie waren mit den mächtigen Pfeilern die das schwere Dach trugen als Deckenstützen verbunden.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Gigant   Figur der "Telamone"

 
Weiterfahrt nach Selinunt

Sebastiano, unser immer gut gelaunter Busfahrer, fährt uns wieder auf seine sanfte Art über die Insel. Doch jetzt plötzlich stoppt er, ohne dass eine Tempelanlage in Sicht wäre.

Eine Pipipause? Nein, eine Überraschung!

Weiß eingedeckte Tische inmitten eines grünen Garten Edens erwarten uns.

Kaum dass wir sitzen, werden uns Rotwein und Weißwein nach Art des Hauses serviert, dazu leckere Tapas und natürlich Oliven und vorzügliches Olivenöl stehen bereit - OLIO VERDE von Gianfranco Becchina.

Stefania, unsere Führerin hier, erzählt uns Wissenswertes über die Olivenölproduktion.

Um 30.000 Liter Olivenöl zu gewinnen sind 3.000 Olivenbäume nötig.

Die Olivenernte ist noch Handarbeit, 100 Leute ernten den ganzen Monat Oktober über. Das ist der Erntemonat und die Ernte dauert nur einen Monat.

Es werden grüne Oliven geerntet für die Ölproduktion. Grün im wahrsten Sinne des Wortes, ihre Farbe ist grün und sie sind noch nicht voll ausgereift.

Schwarze Oliven sind voll ausgereifte grüne Oliven. Oft werden jedoch grüne Oliven mit Eisenglucomat schwarz gefärbt und als Schwarze Oliven verkauft.

Noch am selben Tag der Ernte müssen die Oliven verarbeitet werden, sonst steigt der Säuregehalt des Öles. Das hier produzierte Öl ist natürlich kaltgepresstes Öl und damit, anders als durch Raffinierung hergestelltes Öl, ein reines sehr hochwertiges Naturprodukt!

Kaltgepresstes Olivenöl setzt sich aus 77 % einfach ungesättigten, 9 % mehrfach ungesättigten und 14 % gesättigten Fettsäuren zusammen.

Kaltgepresstes Öl sollte nicht so stark erhitzt werden, da sonst die wertvollen Inhaltstoffe, vor allem das Vitamine E, zerstört werden.

Über zwei in der hiesigen Produktionshalle angebrachten Kameras kann die Herstellung des Öles hier in Sizilien weltweit verfolgt werden.

Im Internet unter www.becchina.com können sich Interessierte das vorzügliche Öl bestellen.
 

Und weiter geht es nach Selinunt.

Noch immer wächst hier der wilde Sellerie, der der Stadt einst ihren Namen gab.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Selinunt   Der Tempel E in Selinunt

Die acht dorischen Tempel hier haben keine Namen mehr, weil man diese nicht mehr zuordnen konnte. So heißen die Tempel ganz simpel nur Tempel E, D, C und so weiter.

Wir besichtigen als erstes den Tempel E, welcher, so spekulieren die Wissenschaftler, der Göttin Hera geweiht sein könnte, denn im Inneren des Tempels gibt es ein Bild, welches die heilige Hochzeit von Zeus und Hera zeigt. Üblicherweise werden jedoch ausschließlich Männer - sinnbildlich für Helden - auf Bildern dargestellt.

Hera, die Frau des Zeus, war sehr eifersüchtig und hatte wohl auch allen Grund dazu, denn Zeus verachtete keine weibliche Schönheit. So ist Hera zur Beschützerin der Ehe geworden. Das nur am Rande.

Ein Tempel mit monolithen Steinsäulen, so erfahren wir, ist älter als ein Tempel mit Säulen aus einzelnen Trommelstücken zusammengesetzt. Diese Technik wurde erst ca. 550 v. Chr. angewendet.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Selinunt   Hier sind die einzelnen Trommelstücke der Säulen gut zu sehen

Das gemeine Volk kam nicht in die Tempel herein. Für das Volk war der Säulengang, so konnten sie das Tempelinnere wenigstens umschreiten und der Gottheit mit gebührenden Abstand nahe sein.

Die Akropolis - die Stadt der Götter-, war der Polis - der Stadt der Menschen - immer vorgelagert. Die Götter hatten so ihren Abstand zu den Menschen und konnten so auch die Menschen vor Angriffen schützen.

Auf der Fahrt zum Hotel gibt es wieder eine kleine Überraschung: eine Weinverkostung.
Wir bekommen leckeren Dessertwein gereicht mit ein paar Oliven, Olivenbrothappen und hier üblichen Mandelgebäck.

Im Hotel bleibt dann nicht mehr viel Zeit zum Frisch zu machen. Gleich wird das Abendbrot serviert im Hotel delle Palme. Ein 3 Gang Menü.
 

5. Tag, 3.10. Marsala - Westsizilien - Bootsfahrt zur Insel San Pantaleo (Mozia) und Besichtigung des Museums in Mozia - San Pantaleo

Als erstes besichtigen wir heute Morgen die Kathedrale von Marsala. Übrigens, der punische Name der Stadt ist Lilibeo. Erst die Araber benannten die Stadt in Marsa-Ali oder Marsa-Allah = Marsala um.

Nach einem kleinen Stadtrundgang fahren wir an den Salinen vorbei um schließlich mit dem Boot zur Insel San Pantaleo zu fahren, einer idyllischen Insel mit den Resten einer phönizischen Hafenstadt namens Mozia und mit einer schönen, rätselhaften Statue…

Die Entdeckung des antiken Ortes Mozia ist dem leidenschaftlichen Einsatz des englischen Kaufmannes Joseph-Guiseppe Whitaker zu verdanken, der als Besitzer der Insel im vergangenen Jahrhundert erfolgreiche Ausgrabungen durchführte. Die auf der Insel, in der Nekropolis und im Lilibeum entdeckten archäologischen Fundstücke werden im Museum aufbewahrt. Das Prunkstück der Sammlung ist eine unglaublich schöne Marmorstatue, die erst 1979 in Mozia ans Licht gebracht wurde. Bis dahin lag sie unter der Erde.

Nur die Griechen hatten die Gabe, menschliche Figuren so aus dem Stein zu hauen, dass das fertige Produkt lebendig wirkt. Die griechische Kunst war eine sakrale Kunst, die damals nur in den Tempeln zu finden war.

Hier im Museum sehen wir nun das Original, keine römische Kopie, nein, wir sehen das Original: die Staue von Apollo, jung und lebensgroß, in einer langen plissierten Tunika, die seinen athletischen Körperbau sehr unterstreicht.

Wir erfahren von einem typisch phönizischem Heiligtum, in dem Opferreste von Tieren und Menschen, auch von Kindern, das Opfer des erstgeborenen Sohnes bis zu drei Jahren - in Urnen unter freiem Himmel beigesetzt wurden. Wahrlich kein schönes Thema. Wer kommt nur auf solche Ideen? Der Gott Baal, er forderte diese Art von Opfergaben.

Die Farbe Purpur durften in der römischen Antike nur Kaiser tragen. Immerhin 12.000 Purpurschnecken waren nötig um 1,5g des Farbstoffes gewinnen. Ein kostbarer Stoff.

Und die Phönizier hatten das Copyright damals auf den Farbstoff Purpur.

Bei unseren kleinen Spaziergang kommen wir am Ufer vorbei und sehen die Bildung von Salzschaum am Wasserrand. Für mich immer ein abschreckendes Zeichen, es zeugt von Verunreinigung des Wassers. Doch jetzt lerne ich: dieser Salzschaum zeugt von hoher Salzkonzentration des Wassers, es hat einen Salzgehalt von 19%. Und das ist gut. Das garantiert eine gute Salzernte.

Dreimal wird im Sommer geerntet, dabei werden die Salinen noch mit der Hand ausgeschaufelt, nur einmal wird raffiniert, also aufgekocht, und das Salz ohne Zusätze bereitet, es entsteht ein sehr hochwertiges Salz.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Salz   Salzschaum in der Hand

Der Lebensstoff Salz war in der Antike von unermesslichem Wert. Als einziges alltagstaugliches Konservierungsmittel dieser Zeit, entschied Salz bei drohenden Hungersnöten oft über Leben und Tod. Auch als Würzstoff erfreute sich Salz wachsender Beliebtheit in der Antike.

Bei der Überfahrt sahen wir Windmühlen, ihre Windräder sind archimedische Scheiben, sie pumpen das Wasser hoch von den tieferen in die höheren Becken.

Das lateinische Wort für Salz lautet "Sal" und Soldaten und Arbeiter, die ihr Salz wert waren bekamen ihr "Salarium", ihr "Salär" bezahlt, um ihre Salzration  bezahlen zu können.

Salär ist auch heute noch ein Synonym für Arbeitsentgeld, für Lohn.

Zu den schönsten Salinen gehören die Salinen von Trapani und Paceco, die ein WWF-Reservat sind, da in ihnen zirka 170 verschiedene Vogelarten leben, eingeschlossen Flamingos, Storche, Kraniche und Reiher.

Jetzt kommen wir auf unseren Spaziergang um die Insel an einem eckigen Wasserbecken vorbei, offen nach Richtung Süd, Richtung Meer, der Welt - welches früher ein Hafen sein sollte, nach neuesten Erkenntnissen jedoch gehen die Wissenschaftler davon aus, dass es ein rituelles Reinigungsbecken war, welches den Menschen muslimischen Glaubens zur rituellen Reinigung diente. Das Becken wird von einer Süßwasserquelle gespeist, die dann ins Meer fließt. Es ist 2,20 Meter tief, tief genug für eine Reinigung

Früher stand hier eine Stele, welche auf  den Sirius und die Venus ausgerichtet war und somit die Sommer- und Winterwende anzeigte. Das könnte doch eher ein Indiz für ein rituelles Reinigungsbecken sein.

Jetzt sehen wir Reste von "Badewannen". Wozu nur diese kleinen Waschmulden?

Die Erklärung folgt für uns gleich: Die Phönizier waren Sunniten, also Moslemischen Glaubens. Dieser schreibt das 5-malige Beten am Tag vor. Vor dem Beten müssen die Hände und Füße gewaschen werden. Erst den rechten Fuß, dann den linken Fuß.

Es entsteht die nächste Frage: Warum wohl diese Reihenfolge?

Meine Erklärung dazu ist: Das kann mit dem Energiefluss etwas zu tun haben. Von rechts nach links wird Energie abgegeben - Altes, Verbrauchtes losgelassen - es ist ein Prozess der Reinigung. Von links nach rechts hingegen wird Energie aufgenommen - ein Prozess der Vitalisierung.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Badewanne    "Badewanne"

Früher lagen hier alte Münzen, Scherben alter Gefäße einfach so rum, man trat darauf und sie fielen nach und nach ins Meer.

Heute wird gewissenhaft geseiht, um von den alten Funden nichts mehr zu verlieren.

Ein Johannisbrotbaum mit seinen dunkelbraunen, fast schwarzen Schoten fesselt jetzt unsere Aufmerksamkeit. Ich weiß, diese kann man essen. Und jetzt erfahre ich, jede dieser Schoten hat 24 Kerne und alle haben ein einheitliches Gewicht von im Durchschnitt 0,2 g - wie das geht, weiß nur die Natur allein.

Sie heißen "Karat". Karat ist ein Lehnwort ursprünglich aus dem Französischen stammend und aus dem Griechischen "Horn" abgeleitet,, da die Frucht des Johannisbrotbaum hörnchenförmig ist. Früher wurden diese Früchte wegen ihrer einheitlichen Größe als Gewichtssteine eingesetzt.

Im Westen der Insel gibt es einen Wallfahrtsort für die Göttin Demeter, der Göttin der Fruchtbarkeit.
Öl, Wein und Brot waren die heiligen Pflanzen der  Antike, sie wurden hier auf dem fruchtbaren Land angebaut.

Einmal die Woche versorgt ein Trinkwassertankauto die ländlichen Orte hier in der Umgebung, erzählt uns unsere Kulturführerin.

Für drei Stunden haben die Leute dann Zeit sich Wasser abzufüllen, man braucht also eine leistungsstarke Pumpe. Oder man kauft sich Trinkwasser in Flaschen, oder geht in die Berge und holt sich Wasser direkt von der Quelle, so berichtet uns unsere Reiseführerin.

Auch über die hier üblichen Feldbrände weiß sie zu berichten:

Einmal hatte sich ein Brand zu einem Buschbrand entwickelt, meterhoch standen die Büsche um ihren Haus in Flammen, so dass sie die Feuerwehr rief.

Diese fragte "Gibt es schon Tote?"

Sie antwortete "Nein."

"Dann kommen wir auch nicht!"

"Dann lösche ich halt allein."

Erstaunter Aufschrei: "Sie sind doch eine Frau!"

"Da, wo ich herkomme, löschen auch die Frauen!"

Telefonat zu Ende.

Sie kam aus Deutschland.

Mit dem Boot wieder auf dem Festland angekommen besuchen wir eine typisch sizilianische Taverne. Wieder sitzen wir in einem grünen Garten, werden verwöhnt von der Sonne und einer guten Küche.

Abends kommen wir in Campofelice di Rocella im Fiesta Garden Beach Hotel / Athenèe Palace an. Das Hotel macht gute Laune. Mitten im Grünen gelegen mit gepflegter Poollandschaft, großzügige Zimmer und ein reichhaltiges Abendbuffet. Die Wegstrecke vom Sitzplatz zum Buffet garantiert eine schnelle Kalorienverdauung. Das macht Appetit auf mehr.
 

6. Tag, 4.10. Badetag

Heute meint es nun der Wettergott gar nicht gut mit uns - wirklich! Und das an unserem einzigen Badetag auf der Insel.

Nur windfest angezogen kann man sich an Strand trauen. Und das tun doch einige aus unserer Reisegruppe.

Ich springe dann doch noch in den Pool, ganz schnell, nicht kneifen - und rein! - und schnell wieder raus. Zitternd nach dem Handtuch gegriffen, abfrottiert, angezogen. DANKE, liebes Hotel, hier ist noch nicht Saisonschluss. Hier sind wir als Gäste Willkommen.

Auch zur Animation. Junge aktive Menschen aktivieren uns zum Sport. Die Liste ist lang. Doch als Kulturtourist die Zeit zu kurz. Trotzdem nehme ich an einem Gym-Kurs teil. Es macht Spaß und Muskelkater am nächsten Tag. Was lehrt mich bloß der Muskelkater? Ich sollte mehr Sport treiben!
 

7. Tag, 5.10.  Monreale und Palermo

8:00 Uhr früh heißt es am Bus sein, damit wir noch vor der öffentlichen Messe in das Gotteshaus von Monreale kommen!

Ich möchte lieber Baden und Relaxen. Doch so richtig Badesaison ist nicht mehr, der Himmel ist launig und Wolkenverhangen, die Sonne macht sich rar.

Ich will doch mit nach Palermo!

Die Entscheidung ist getroffen, ich ziehe mich schnell an, renne los, und schaffe den Bus gerade noch so - die Türen waren kurz vorm Schließen.

Mit Beifall werde ich im Bus empfangen, na, so fängt der Tag gut an.

Wir sind in Monreale = zu deutsch "Der königliche Berg"

Wir besuchen als erstes den Dom von Monreale - ein fabelhafter Bau, der die christliche Verwirklichung des Traumes eines normannischen Königs darstellt, nämlich Wilhelm II, des "Guten", Enkel von Roger II.

Der Legende nach erschien dem König die Jungfrau Maria im Traum und sie habe ihn gebeten mit dem Geld, das sein Vater, Wilhelm der "Böse", dem Staatshaus gestohlen und anschließend versteckt hatte, eine Kirche zu bauen. Die Jungfrau habe ihn auch das genaue Versteck des Geldes gezeigt. Wilhelm II hatte den Wunsch seinem Großvater nachzuahmen, welcher den prachtvollen Dom von Cefalù und die Cappella Palatina hatte errichten lassen, was Wilhelm II schließlich dazu veranlasste, nun seinen Traum zu verwirklichen.

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Dom von Monreale   Dom von Monreale

Die reichen Verzierungen des Doms sind die künstlerische Verschmelzung von drei Kunstrichtungen: es gibt einen starken arabischen Einfluss,  aber auch byzantinische und sizilianische Kunst flossen in den Bau ein. Die hölzerne Stalaktitendecke des Mittelschiffes ist das Werk islamischer Künstler.

Mosaike bedecken die Wände der Schiffe und des Altars und liefern golden leuchtende Darstellungen der Bibel, der Heiligen und des Lebens Jesu Christus.

Unsere örtliche Kulturbegleiterin hier ist Iliana. Sie erklärt uns, warum es so viele biblische Darstellungen in Bilderform gibt, nicht nur hier in dieser wunderschönen Cappella, sondern in allen Kirchen, Kathedralen und Klöstern.

Die Menschen konnten damals nicht lesen, also wurde das Wissen über Bilder vermittelt und mit Hilfe der Priester die Darstellungen den Menschen erklärt.

Wir sehen Jesus mit seinem Fingermantra in der einen Hand, in der anderen Hand hält er das Evangelium, in griechischer und lateinischer Schrift steht geschrieben:

"Ich bin das Licht der Welt, wer mir folgt,  geht nicht in die Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens finden."

Der Dom ist wunderschön und reich verziert an Gold, an Mosaiken, an Bildern, man möchte noch lange Zeit hier verweilen, doch es geht weiter zur nächsten Besichtigung: den

Romyland Reiseberichte, Sizilien, Jesus   Deckenbild "Jesus"

Kreuzgang von Monreale 

Der Kreuzgang ist fast unversehrt erhalten in seinem ursprünglichen architektonischen Konzept, er ist ein prächtiges Beispiel der sizilianische-romanischen Skulptur.

Wie soll man diesen Kreuzgang nicht lieben können, diesen ruhigen Ort, eingeschlossen und erfunden, um, wie es scheint, tiefgängige Gedanken zu inspirieren, während man langsam durch die Arkaden schreitet.          

Palermo - Die sizilianische Metropole, einst Zentrum des normannischen Königsreiches, prunkt mit goldglänzenden Mosaiken und bewegtem Barock.

Die Kathedrale von Palermo ist imposant in Bezug auf ihre Abmessungen und wurde auf dem Gelände des antiken Doms errichtet, welcher auf Veranlassung des heiligen Gregorius Magnus gebaut worden war, von den Arabern dann in eine Moschee verwandelt wurde - in der arabischen Zeit gab es auf Sizilien ca. 300 Moschen, das war mehr als in Kairo! - und dann dank der normannischen Könige für das Christentum zurück gewonnen wurde.

Die Kirche war dann das historische Zentrum der Stadt, ja der ganzen Insel. Hier wurden die Könige der Normannen und der Hohenstaufer gekrönt und hier ruhen die Verstorbenen in ihren kaiserlichen Gruften. In der Kapelle der Heiligen Rosalie werden auch die Reliquien der Schutzheiligen der Stadt aufbewahrt.

Rosalie wurde um 1100 in Palermo geboren und starb um 1160 als Einsiedlerin auf dem Monte Pellegrino. Dort fand man 1625 in einer 25 Meter tiefen Höhle angeblich den unversehrten Leichnam der Heiligen Rosalie. Als man diesen nach Palermo brachte, endete umgehend eine Pestepidemie und Rosalia wurde zur neuen  Schutzpatronin der Stadt erklärt.

Im Juli wird ihr zu Ehren ein mehrtägiges Fest veranstaltet, im September eine nächtliche Fackelprozession auf den Monte Pellegrino.

Der Normannenpalast ist vom historischen und künstlerischem Gesichtspunkt her eines der wichtigsten Denkmäler in Palermo. Es waren die Araber die im 9. Jahrhundert eine punisch-römische Festung zu einem Schloss umbauten und befestigten. Dann kamen die Normannen, die die primitiven Strukturen des Schlosses mit Türmen und Bollwerken befestigen ließen so dass das Schloss zur wichtigsten Festung der Stadt wurde und gleichzeitig zu einem luxuriösen Königspalast, wo bis zum Tode von Friedrich II das politische und ökonomische Leben des Staates verwaltet wurde. Der Normannenpalast ist noch heute Sitz des sizilianischen Parlaments.

Piazzo Pretoria

Hier finden wir das religiöse Gebäude die Chiesa di S. Caterina, daneben das Kloster. Neun Nonnen leben hier im Kloster, die älteste Nonne ist 91 Jahre. Direkt vor dem Kloster bewundern wir den "Brunnen der Schande", wie die Nonnen ihn bezeichnen, weil viele nackte Körper in Stein gehauen - männliche wie auch weibliche - ihn zieren.

An der südlichen Seite des Platzes erhebt sich der Palazzo Senatorio - Sitz des Rathauses, doch besser ist der Palazzo bekannt als Palazzo Aquile - Palast der Adler.

Kirche von S. Maria Dell'ammiraglio

Eine wunderschöne Kirche! Die Schönste, die ich je sah. Liebliche Bilder von Maria und dem Jesuskind in Pastellfarben zieren die Kirche innen, ich spüre einen Hauch von Frieden.

Es duftet noch nach Weihrauch, Babys wurden kurz vor unserem Eintreffen hier getauft. Eine Hochzeit kann noch nicht lange her sein, denn vor der Kirche liegt noch Reis gestreut.

Das Wetter ist heute bei weitem besser als gestern. Doch das soll nicht die einzige Überraschung des Tages sein.

Unser Bus stoppt jetzt plötzlich vor einer wunderschönen Parkanlage und Sebastiano kramt aus dem Bus-Kofferraum Esspakete und Weinkörbe hervor. Ein Picknick à la Siziliana ist angesagt! Schnell gehen wir in den Park und finden viele schattige Plätzchen. Es schmeckt fantastisch an der frischen Luft. Wie diese sizilianische Kalorienbombe, welche unwahrscheinlich schnell satt macht, so dass wir Mühe haben auch unser Dessert zu vernaschen, hieß, hab ich leider vergessen.

Nun sind wir satt und so manch einer auch Pflastermüde. Jetzt auf der Liege am Pool oder am Strand liegen, das wäre doch was! Und so bekommen wir die Gelegenheit vorzeitig zum Hotel zurückzufahren. Die Busse werden aufgeteilt, der eine fährt ins Hotel zum Relaxen, der andere zur geplanten Stadtbesichtigung. 
 

8. Tag, 6.10. Heimflug

Auch die schönste Reise geht einmal zu Ende. Heute ist Abreisetag. Doch zuvor zelebrieren wir mit Zeit und nochmals an der frischen Luft ein reichhaltiges Frühstück, bevor wir in den heimatlichen Herbst zurückkehren.

Auf dem Flughafen angelangt läuft alles normal, bald sitzen wir in unserem Flugzeug…
nun schon seit einer Stunde… was ist bloß los???

Jetzt bitten uns die Stewardessen, das Flugzeug zu verlassen, wir haben ein technisches Problem.

So schnell will uns die Insel wohl nicht wieder hergeben. :-)
 

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Barfuss durch die Wüste...



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