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Reisebericht Syrien - Eine Reise in den Orient
Nicht nur das älteste Alphabet
sondern auch so manches unvorstellbares Bauwerk stammt aus dieser Ecke der
Welt. Da ging die Post schon ab, als wir ach so modernen Europäer noch
durch unseren eigenen Urwald huschten. Ein Beispiel gefällig, für diesen
Entwicklungsvorsprung?
Endlich sind wir angekommen. 22.30 Uhr Flughafen Damaskus und 0.30 Uhr in unserem 4* Hotel CARLTON nach einem ausgiebigen Abendbrot in einem Altstadt Restaurant. Eine lange Reisezeit, da der Start 4.30 Uhr in Limbach-Oberfrohna war. Ich hatte vorsichtshalber in der Nacht gar nicht erst geschlafen. So kam ich diesmal auch pünktlich zum Treffpunkt. Im Bus konnte ich zum Glück nachschlafen, jedenfalls immer bis zur Pipipause für die schwachblasigen Mitreisenden und das war aller zwei Stunden. Der Flugstart mit einer Stunde Verspätung lag im Bereich der Duldungstoleranz. Im Flieger wurde mein Nachschlafen ebenfalls jäh unterbrochen, denn es gab Essen und mein syrischer Nachbar meinte mit einem kräftigen Ellbogengungs, ich sollte es nicht verpassen. So war auch diese Traumwelt jäh unterbrochen worden. Da ich einen Sitzplatz in der 4. von 36 Reihen innehatte war ich natürlich der Erste von meiner Reisegruppe beim Aussteigen. Doch wie sich herausstellte war es nicht Damaskus, sondern Aleppo, ein Zwischenstopp. Schwupp in den Flieger zurück, man hatte mich tatsächlich schon vermisst. So zurück zum Abendbrot,
welches reichlich ausfiel. Ich hatte mich für nur Vorspeise entschieden,
welches aus typischen syrischen Speisen wie Kichererbsen, Erdnusscreme
Spinatblätter, einen ganz leckeren Olivensalat und natürlich Gemüse wie
Rote Beete, Gurke und Tomate bestanden. Als Beilage wurde Fladenbrot
gereicht. Wer Lust auf die Hauptmahlzeit hatte konnte gegrilltes
Lammfleisch mit Pommes essen.. Der Höhepunkt für mich war der Tee aus
frischen Pfefferminzblättern, welcher wie der Schwarze Tee mit viel Zucker
getrunken wird. Am nächsten Tag dürfen wir
ausschlafen und bekommen zwei Stunden Zeit bis zum Start des Busses. Der
Frühstückskäse ist wunderbar scharf und reichhaltig und alle verlassen gut
gespeist und voller Tatendrang das Hotel. Dieser wird durch das
Fotografierverbot um das Hotel (stark bewachtes Ministeriumsviertel)
sofort wieder gebremst. Wir sind halt im Nahen Osten und da wird das stark
ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis auch offensichtlich zur Schau gestellt. Zur Morgenandacht gibt es die Geschichte der Bekehrung des Saulus vor Damaskus. Der ja die Christen von Damaskus nach Jerusalem zurückholen wolle, auf das sie nicht mehr den Christlichen Glauben missionieren. Hier jetzt der Originaltext aus der Bibel: Apostelgeschichte 9 - Die Bekehrung des Saulus Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und
Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn
um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen
Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem
führe. Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam,
umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde
und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du
mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du
verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du
tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos
da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. Saulus aber
richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er
nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus;
und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.
Wir besichtigen das
Nationalmuseum in Damaskus. Beeindruckend am Anfang des Rundganges ist die
Originalfassade des omajjadischen Wüstenpalasts Qasr al-Hair al-Gharbi,
ein aus zwei halbzylindrischen Säulen und einem rechteckigen Portal
bestehendes, typisches elektizistisches Werk des frühen 8.
Jahrhundert. Eine Ausstellung von ausgegrabenen Figuren (über 1000 solcher
Figuren wurden gefunden) ist zu sehen. Sie sollen einen Alter von 4500
Jahren haben und stehen alle bis auf wenige Ausnahmen mit dem linken Bein
nach vorn und dem rechten Bein nach hinten. Das älteste Alphabet der Welt
mit 17 Buchstaben wurde auf der Sinai Halbinsel gefunden. In Beirut das
mit 21 Buchstaben aber das mit 30 Buchstaben das komplette älteste
Alphabet wurde in Syrien gefunden. Das Abbild befindet sich auf der 500
Pfund Note und das Original nicht hier im Museum, sondern im Louvre in
Paris. Weiterhin sehen wir Siegel als Rolle (Rollsiegel), die als Kette um den Hals getragen wurden. Als letztes besichtigen wir die sensationell gut erhaltene Synagoge aus dem Grabungsfeld von Dura-Europa am Euphrat. In dem dunklen Raum sind herrliche 1700 Jahre alte Fresken mit alttestamentarischen Darstellungen zu sehen. Die Besichtigung des
Nationalmuseums dauert im Schnelldurchgang eine Stunde und macht auf mich
einen museologisch spartanischen Eindruck. Na ja, die" Louvre verwöhnten"
Europäer sind halt schwer zufrieden zu stellen. Neben dem Nationalmuseum steht
die Tekkiye as-Suleimaniye. Diese Moschee mit ihren Doppelminaretten wurde
1553-1559 auf Geheiß und zu Ehren Suleiman des Prächtigen erbaut und
diente als Hauptzweck den mittellosen Mekkapilgern Obdach zu gewähren. Nun geht es in die Altstadt von Damaskus. Natürlich durch den orientalischen Basar oder auch Suq genannt, mit seinen Läden aus 1000 und einer Nacht. Der Suq erhielt 1873 ein Tonnendach aus Stahltraversen und Wellblech, welches die Straße überspannt. 1925 beim gescheiterten Drusenaufstand gegen die französische Besatzung wurde es vom Flugzeug aus mit Maschinengewehrfeuer zersiebt, so dass es jetzt manchmal wie ein Sternenhimmel aussieht, wenn das Licht hereinfällt. Der Gewürzbasar, wo es auch viele leckere Süßigkeiten gibt, bleibt mir nachhaltig in Erinnerung. Erstaunlich fand ich auch, daß in der Parfümerie die Essenzen nach der Duftprobe des Käufers mit einer Spritze aus dem großen Glasgefäß gehoben und in die kleine Glasflasche für zu Hause umgefüllt wurden. Da ist nix mit teuren Markenparfüm!!! Wir besichtigen das Grab des
Saladin, der die Kreuzritter vertrieben und als Nationalheld verehrt wird.
Er starb im Jahre 1193, übrigens völlig verarmt. Ein Prunksarkophag aus
Marmor sticht ins Auge. Es ist ein Gastgeschenk von Kaiser Wilhelm dem II.
von seinem Besuch 1898 in Damaskus, welches damals unter türkischer
Herrschaft stand. Der ältere Holzsarkophag steht neben diesem Gastgeschenk
und da sollen Saladins Gebeine immer noch drin sein. Die deutsche
Diplomatie hatte schlecht recherchiert und wusste nicht, dass Moslems
nach der Beisetzung nicht mehr Umgebettet werden dürfen. Es ist gerade
12.00 Uhr und der Muezzin ruft die Gläubigen zum Gebet. Hier in der
Damaskuser Omajjadenmoschee noch persönlich, sonst läuft überall ein
Tonband. Dadurch werden wir auch gedanklich auf den Besuch der
Omajjadenmoschee vorbereite und nicht nur durch diese putzigen braunen
Umhänge der weiblichen Reiseteilnehmer, wie man sie von Schaubergwerken
her kennt und die dazu dienen sollen alle weiblichen Reize zu verdecken.
Die Omajjadenmoschee oder auch Große Moschee genannt, ist das
geographische und spirituelle Zentrum der Stadt und wurde zwischen 705 und
715 an einer Stelle errichtet, wo sonst die Aramäer zu ihren Wettergott
Bel Hadad und später die Römer zu Jupiter beteten. Der Innenhof macht mit
seinen 50 x120 Metern einen gewaltigen Eindruck. Dagegen ist die
Innenausstattung des Gebetssaales nach den strengen Dogmen des frühen
Islam eher karg. In der Moschee gibt es eine gesonderte Begräbnisstätte,
nämlich die Stätte von Johannes dem Täufer seinen Kopf. Er wurde im 4.
Jahrhundert an dieser Stelle gefunden in einer Gruft mit Treppe. Dort
befand sich eine Holzkiste mit dem Schädel und einem Schriftstück über die
Herkunft des Schädels. Das Original befindet sich jetzt in Istanbul. Weiter geht es zur Paulus Kirche oder auch Annanias Kapelle in den Untergrund von Damaskus. Sie ist die älteste christliche Kirche der Welt, da es eine Geheimkirche bis zum Konzil 325 oder 312 zur Aufhebung der Christenverfolgung durch den römischen Kaiser Nero war. Hier Apostelgeschichte von Paulus. Paulus wurde in Rom hingerichtet. 63 nach dem großen Brand in Rom. Er kam mit dem Schiff über Malta (Schiffbruch). Als Tagesausklang dürfen wir
noch ein Patrizierhaus mit seinen drei Innenhöfen besichtigen. Das Abendbrot gibt es in einer Folkloregaststätte mit einem wunderschönen Büfett und Livemusik. Dazu tritt eine Tanzgruppe auf, die es schafft mit drei Personen auf der Schulter übereinander zu tanzen und obendrauf immer den Wirt der Gaststätte, ein Liliputaner.
2. TAG 6.00 Uhr wecken und ausgiebig frühstücken. Die Müdigkeit sitzt mir immer noch in den Knochen. Das Tagesziel ist Aleppo im Norden, wo ich im Flugzeug schon einmal ausgestiegen war. Als erstes gibt es noch einen Stopp am der Paulus-Kapelle. Sie kennzeichnet jene Stelle der Stadtmauer, an der sich der flüchtende Apostel in einem Korb abseilen ließ. Als zweites besichtigen wir nur
20 Kilometer von Damaskus entfernt das Notre Dome de Sednaya, wo eine
Originalikone, vom Apostel Lukas gemalt, aufbewahrt wird. Es stammt aus
dem Jahre 547 und wurde vom byzantinischen Kaiser Justizian gegründet,
nachdem er bei der Jagt auf eine Gazelle eine Marienerscheinung hatte. Der
Glockenturm ist bereits mit Hightech ausgerüstet. Der Glockenschlegel wird
mit einer riesigen Elektromagnetspule bewegt. Als nächstes ist Maalula an
der Reihe. Wir besichtigen das Kloster Mar Sarkis, welches Sergius und
Bacchus, den beiden ersten christlichen Märtyrern des Landes geweiht ist.
Hier hören wir das Vaterunser in Aramäisch, welches zu Zeiten Jesus
gesprochen wurde. Diese Sprache hat sich als Linguistische-Sprachinsel in
den drei benachbarten Dörfern wie durch ein Wunder bis in unsere heutige
Zeit erhalten. Der Tag neigt sich schon
langsam zu Ende, als wir Apameia erreichen. Sie ist neben Bosra und
Palmyra die bedeutendste hellenistische-römische Stadtanlage Syriens. Hier
war eine Zuchtstation mit 30.000 Pferden für die Kavallerie und 500
Kriegselefanten bewachten den Staatsschatz.
3. TAG Ausschlafen ist fehl am Platze.
Wir sind auf den Weg ins Simeonkloster. Die Türkische Grenze ist in
Sichtweite nur " 500 Syrische Meter " entfernt. Während der Busfahrt
erfahren wir etwas über die syrische Mafia, wie sie den Immobilienmarkt
beherrscht und riesigen Profite zieht. Wie viel verdient eigentlich ein Syrier? Ein Behördenmensch bekommt zwischen 200 und 400 DM im Monat. Den Rest bis 1000 oder 1500 wird durch Bakschisch (Trinkgeld) oder ein 2. bzw. 3. Job abgedeckt. Korruption wollte der neue Präsident abschaffen, es ist ihm aber nicht gelungen. Frauen gehen nicht zur Arbeit, bis auf ein Gewerbe, welches das älteste der Welt sein soll. Sie haben sich um das Wohl der Männer, den Haushalt und die Kinder zu kümmern. Liebesheirat ist ausgeschlossen. Die Frauen werden in der weitläufigen Verwandtschaft vielleicht auch Bekanntschaft durch Beauftragung eines familiären Heiratsvermittlers gesucht. Der Mann muss viel Geld bezahlen, wenn sich die Familien denn über den Handel einig geworden sind. Beliebt sind Syrier, die als Gastarbeiter in Kuwait oder Saudi-Arabien gearbeitet und viel Geld verdient haben. In letzter Zeit haben diese Länder ihre Gastarbeiter aber aus Indien rekrutiert um die Solidaritätseffekte mit der einheimischen Bevölkerung zu unterbinden. Wohnungsmiete gibt es nicht, oder nur vereinzelt für Studenten und Militärangehörige. Alle Wohnungen sind Eigentumswohnungen. Wenn zum Beispiel ein junges Paar heiratet und kein Vermögen besitzt, kann es mit einer Anzahlung von 500 DM und einer Monatsrate von 25 DM eine Wohnung beziehen und nach 25 Jahren ist diese ihr Eigentum. Wir fahren nun nach Ella. Eine
Ruinenstadt, die seit 1963 mit Hilfe von Italien ausgegraben wird. Berühmt
wurde sie durch die im Jahre 1973 gefundenen 17030 Tontafeln mit
Keilschrift, einer bis dahin nicht belegten semitischen Sprache. Das
Grabungsfeld sieht eher langweilig aus. Nur der im Zentrum stehende Tell
ist erstaunlich hoch. Als Souvenirs gibt es "originale" Tontafeln zu
kaufen. Zur Befriedigung der aufkommenden Kauflust wird der Besuch des
Basars in Aleppo ins Auge gefasst. Er ist mit 18 km überdachter
Ladenstraße und 6000 Läden der größte der Welt. Da hier ca. 15. 000
Menschen (natürlich nur Männer) arbeiten, ist es schon verwunderlich, dass
es keine einzige Toilette gibt. Das Codewort welches unser Reiseleiter
dafür ausgegeben hat lautete "Ich muss mal den Sultan anrufen". Wo kein
Sultan ist, kann man aber auch keinen anrufen. Aha, in den Gebetsräumen
und Moscheen, die in der Basaranlage integriert sind, kann man sich
waschen (Reinigungszeremonie vor dem Gebet) und seine Notdurft verrichten.
Benutzen der Räume durch Touristen, Ungläubige oder Andersgläubige ist
nicht erwünscht.
4. TAG Fast ausschlafen bis 07.15 Uhr.
Die Überraschung des Tages ist Regen. Granatapfelsirup ist die beste Medizin gegen die Rache des Montesuma. Der Sirupbedarf stieg mit der Länge der Reise. Übereinstimmend wurde von der exzellenten Heilwirkung gesprochen.
Hey, das Mittelmeer. Wir sind
in Ogaret einer Stadt, die 1400 vor Christi nach einem schweren Erdbeben
wieder aufgebaut wurde. Ihre Anfänge reichen bis ca. 7000 v. Chr. zurück. Ich stelle fest, daß bei mir
eine gewisse Pflastermüdigkeit bzw. Ruinemüdigkeit einsetzt. Ogaret (der
alte Name lautet Ugarit) ist aber die Fundstätte des ersten 30buchstabigen
Alphabetes und uns wird auch das Haus des Robano gezeigt. Er gilt als
Erfinder der ersten Musiknote. Das Original liegt im Louvre in Paris. Da
muss ich auch mal wieder hin. Beim letzten Besuch war die
Ägyptisch/Syrische Abteilung geschlossen. Krak des Chevaliers ist die
best erhaltene Kreuzritterburg. In 5 Jahren entstand der äußere Schutzwall
und in weiteren 70 Jahren wurde die innere Zitadelle gebaut. Sie galt als
nicht eroberbar. Nur mit dem Trick, sich als Christliche Pilger verkleidet
zu haben, gelangten die Mamelucken über die nun heruntergelassene
Zugbrücke und konnten die Kreutzritter durch lahm legen der
Trinkwasserversorgung zur Aufgabe zwingen. Überraschung! Wir haben einen
Badestop am Mittelmeer. Ehe unser Reiseleiter Umkleidekabinenschlüssel
organisiert hatte waren wir schon im Wasser. Die Sachsen sind da
unkompliziert. Einen wilden Strand gibt es an der Küste nicht. Deswegen
mussten wir ein offizielles Bad benutzen, welche natürlich um diese
Jahreszeit geschlossen ist. Nur Verrückte würden im tiefsten Winter ins
Mittelmeer (ca. 16 Grad C ) baden gehen. Erstaunlicherweise war mehr als
die Hälfte der Gruppe im Wasser. Für arabische Verhältnisse war die
Umkleideaktion eine Peepshow mit Extras. Und endlich geht es in die
Wüste nach Palmyra! Die Wüste, die mich nicht mehr seit meiner ersten
Begegnung 1996 in Jordanien loslässt. Mittlerweile ist es Nacht geworden
und wir haben Gelegenheit bei einem Stop den Sternenhimmel zu bewundern.
In der Wüste hängen die Sterne einfach tiefer, phantastisch. Wüstenpanorama schon am
Frühstuckstisch. Palmyra, die Wüstenoase, die nachweislich schon 2000 v.
Chr. existierte. Die heutigen Anlagen entstanden von 100 v. Chr. bis 300
n. Chr. Der Baaltempel erinnert mich sehr an ägyptische also typische
orientalische Tempelanlagen mit einem große Innenhof und Fenstern in den
Außenmauern. Der Baaltempel ist der Opfertempel für Sonne und Himmel. Die
Pilgerprozession setzte im April jeden Jahres ein. Auch damals musste
schon Eintritt (Spende) bezahlt werden. Je mehr man bezahlte, desto größer
war die Zuteilung vom Opferfleisch, welches an dem 6. April geschlachtet
wurde. Im Allerheiligsten gibt es eine Himmelskuppel mit 7 Figuren in der
Deckennische. Daher stammt das Sprichwort " Schön wie im 7.Himmel"
versucht uns unser Reiseleiter Kais beizubringen. In Balbeck lebten einst
500.000 Menschen und die Oase war sehr fruchtbar und vor allem
wasserreich. Die Hauptquelle, die seit über Hunderten von Jahren die
Lebensgrundlage bildete, versiegte 1992. Bis dahin war es eine Attraktion
in einer benachbarten Felsgrotte zu baden. Die Tiefbrunnen für Hotels und
Wüstenbewässerung scheinen nicht im Einklang mit der Natur zu stehen. Als
wir mittags unser Reisegepäck vom Hotel holten, besichtigte ich den
angrenzenden Garten und traf auf einen Gartenbeduine mit drei Ziegen. Er
zeigte mir voller Stolz seinen Garten mit Dattelpalmen, Oliven-,
Pfirsich-, Feige und Granatapfelbäumen. Die Oliven sind nicht zum Essen,
sondern nur zum Ölpressen geeignet, konnte er mir mit Gestik vermitteln.
Verlängerung Die Hälfte der Gruppe fliegt
nach Deutschland zurück und wir dürfen ausschlafen. Anschließend
besichtigen wir die Intarsienrestaurationswerkstatt von Kayes, unserem
Reiseleiter. Natürlich können wir dort auch Souvenirs kaufen. Ich denke,
daß er mit unseren Einkäufen sehr zufrieden war. Wie er uns danach
erzählte, kaufen die DDR-Deutschen 2-3 mal mehr als die Alt-Deutschen die
im 5 Sterne Hotel absteigen. Am 2. Tag der Verlängerung
wurde mir ein Herzenswunsch erfüllt, ein Ausflug nach den Libanon. Ich
betrachte es mit großer Dankbarkeit, daß er zustande kam, da wir nur mit
einem Gruppenvisa die Grenze passieren konnten und alle 29 Teilnehmer
somit sich für den Libanon interessieren mussten. Danke! Danke! Danke! Die
Grenzformalitäten kann man mit Bakschisch auf das Niveau der DDR -
Tschechei Ziel der Reise ist die
Tempelanlage von Baalbek. Die Stadt selbst ist erst seit 1993 wieder
völlig gefahrlos zu besuchen Sie war während des Bürgerkrieges
Hauptquartier der Hisbollah und wegen der hier versteckten Geiseln
berüchtigt. Bei der Ankunft konnten wir ein
Steinquader für das Fundament der Tempelanlage mit einem Gewicht von
12.000 Tonnen besichtigen, der nicht verarbeitet wurde. Kayes, unser
Reiseleiter, meinte, er wurde nicht gebraucht. Vielleicht war er doch zu
schwer? Aber warum teilte man ihn dann nicht in zwei Hälften? Ich verstehe
es nicht. Im Fundament der Tempelanlage wurden drei so riesige Steinquader
mit je 800 Tonnen Gewicht gefunden. Das ist Weltrekord und keiner weiß,
wie diese Kolosse bewegt wurden. Noch einen weiteren Weltrekord gibt es in
der Tempelanlage. Die 54 Säulen des Jupitertempels, von denen nur noch 6
Stück stehen sind 23 Meter hoch und 2,2 Meter stark. Ein 5 Meter hohes
Gebälk auf den Kapitellen verstärkt noch den monomentalen Eindruck. Die
Säulen sind gleichzeitig das Wahrzeichen von Baalbek und der Jupitertempel
der größte im Römischen Reich überhaupt. Ein weiterer Tempel, der
Bacchustempel, ist erstaunlich gut erhalten und scheinbar auch noch sehr
stabil. Eine bei einem Erdbeben umgefallene Säule konnte die
Mauerbausteine nur wenige Zentimeter verschieben. Auch hier war Kaiser
Wilhelm der II., woran eine Gedenktafel im Tempelinneren erinnert. Was macht man am letzen Tag einer so erlebnisreichen Reise? Stadtbummel, Mitbringsel kaufen und die Seele baumeln lassen? Diese Möglichkeit wird zu Gunsten eines Ausfluges in den Südlibanon verworfen. Wir fahren also in das Drusengebiet nördlich der Golanhöhen. Die Drusen gelten als Religionsgemeinschaft, die im 11. Jahrhundert in Kairo entstand. Wegen damaligen Verfolgungen halten sie ihre Glaubenslehre geheim. Druse kann man nicht werden, sondern man ist es von Geburt an. Nur ein kleiner Teil der Drusen ist " Wissender" , also in die Geheimnisse der Religion eingeweiht. Die Mehrzahl der "Unwissenden" richten sich nach den Anweisungen der "Wissenden". Sie bestimmen auch, ob ein Aufnahmekandidat über genügend Wissen, Reife, Treue, Verantwortungsbewusstsein und Verschwiegenheit verfügt. Sie glauben an Seelenwanderung und Wiedergeburt. Die Volksgruppe zählt ca. 4 Millionen Menschen.,,,,,,, Heiko H. Fehrmann
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