Reisebericht Syrien

 - Eine Reise in den Orient


1. TAG

Nicht nur das älteste Alphabet sondern auch so manches unvorstellbares Bauwerk stammt aus dieser Ecke der Welt. Da ging die Post schon ab, als wir ach so modernen Europäer noch durch unseren eigenen Urwald huschten. Ein Beispiel gefällig, für diesen Entwicklungsvorsprung?  Im Jahr 1154 wurde in Damaskus das Haus der Kranken gebaut. Es galt jahrhundertlang als eines der weltweit führenden Institute seiner Art. Während man sich in europäischen Siechenhäuser noch auf die spirituelle Betreuung der Sterbenden beschränkte, wurde hier schon aktiv der  Heilungsprozess unterstützt. Man unterschied in die Bereiche Chirurgie, Orthopädie, Fieber- und Geisteskrankheiten. Ausgebildet wurde, einer ganzheitlichen Sicht der Medizin verpflichtet, in so konträren Fächern von Botanik, Chemie und Pharmazie über Theologie und Philosophie bis hin zur Rechts- und Sternenkunde. Ein Administrator führte bereits ein Register, in welches die verordneten Arzneien und Diäten eingetragen wurden. Die Patienten genossen Fußmassagen, Parfümrationen, Gratiskleidung und die Anwesenheit von Sängern und Geschichtenerzählern. Man hatte doch bereits damals das Wissen, dass Musik und Humor den Heilungsprozess beschleunigt. Und was passierte zur Entlassung? Man gab dem Genesenen 5 Goldstücke, um ihn während der Rekonvaleszenz finanzielle Sorgen zu ersparen. Na bitte, also fast genauso wie heute!?  

 

Endlich sind wir angekommen.

22.30 Uhr Flughafen Damaskus und 0.30 Uhr in unserem 4* Hotel CARLTON nach einem ausgiebigen Abendbrot in einem Altstadt Restaurant. Eine lange Reisezeit, da der Start 4.30 Uhr in Limbach-Oberfrohna war. Ich hatte vorsichtshalber in der Nacht gar nicht erst geschlafen. So kam ich diesmal auch pünktlich zum Treffpunkt. Im Bus konnte ich zum Glück nachschlafen, jedenfalls immer bis zur Pipipause für die schwachblasigen Mitreisenden und das war aller zwei Stunden. Der Flugstart mit einer Stunde Verspätung lag im Bereich der Duldungstoleranz. Im Flieger wurde mein Nachschlafen ebenfalls jäh unterbrochen, denn es gab Essen und mein syrischer Nachbar meinte mit einem kräftigen  Ellbogengungs, ich sollte es nicht verpassen.

So war auch diese Traumwelt jäh unterbrochen worden. Da ich einen Sitzplatz in der 4. von 36 Reihen innehatte war ich natürlich der Erste von meiner Reisegruppe beim Aussteigen. Doch wie sich herausstellte war es nicht Damaskus, sondern Aleppo, ein Zwischenstopp. Schwupp in den Flieger zurück, man hatte  mich tatsächlich schon  vermisst. 

So zurück zum Abendbrot, welches reichlich ausfiel. Ich  hatte mich für nur Vorspeise entschieden, welches aus typischen syrischen Speisen wie Kichererbsen, Erdnusscreme Spinatblätter, einen ganz leckeren Olivensalat und natürlich Gemüse wie Rote Beete, Gurke und Tomate bestanden. Als Beilage wurde Fladenbrot gereicht. Wer Lust auf die  Hauptmahlzeit hatte konnte gegrilltes Lammfleisch mit Pommes essen.. Der Höhepunkt für mich war der Tee aus frischen Pfefferminzblättern, welcher wie der Schwarze Tee mit viel Zucker getrunken wird.

Am nächsten Tag dürfen wir ausschlafen und bekommen zwei Stunden Zeit bis zum Start des Busses. Der Frühstückskäse ist wunderbar scharf und reichhaltig und alle verlassen gut gespeist und voller Tatendrang das Hotel. Dieser wird durch das Fotografierverbot um das Hotel (stark bewachtes Ministeriumsviertel) sofort wieder gebremst. Wir sind halt im Nahen Osten und da wird das stark ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis auch offensichtlich zur Schau gestellt.

Zur Morgenandacht gibt es die Geschichte der Bekehrung des Saulus vor Damaskus. Der ja die Christen von Damaskus nach Jerusalem zurückholen wolle, auf das sie nicht mehr den Christlichen Glauben missionieren. Hier jetzt der Originaltext aus der Bibel:

Apostelgeschichte  9 - Die Bekehrung des Saulus

Saulus aber schnaubte noch mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn und ging zum Hohenpriester und bat ihn um Briefe nach Damaskus an die Synagogen, damit er Anhänger des neuen Weges, Männer und Frauen, wenn er sie dort fände, gefesselt nach Jerusalem führe. Als er aber auf dem Wege war und in die Nähe von Damaskus kam, umleuchtete ihn plötzlich ein Licht vom Himmel; und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Er aber sprach: Herr, wer bist du? Der sprach: Ich bin Jesus, den du verfolgst. Steh auf und geh in die Stadt; da wird man dir sagen, was du tun sollst. Die Männer aber, die seine Gefährten waren, standen sprachlos da; denn sie hörten zwar die Stimme, aber sahen niemanden. Saulus aber richtete sich auf von der Erde; und als er seine Augen aufschlug, sah er nichts. Sie nahmen ihn aber bei der Hand und führten ihn nach Damaskus; und er konnte drei Tage nicht sehen und aß nicht und trank nicht.

Es war aber ein Jünger in Damaskus mit Namen Hananias; dem erschien der Herr und sprach: Hananias! Und er sprach: Hier bin ich, Herr. Der Herr sprach zu ihm: Steh auf und geh in die Straße, die die Gerade heißt, und frage in dem Haus des Judas nach einem Mann mit Namen Saulus von Tarsus. Denn siehe, er betet und hat in einer Erscheinung einen Mann gesehen mit Namen Hananias, der zu ihm hereinkam und die Hand auf ihn legte, damit er wieder sehend werde. Hananias aber antwortete: Herr, ich habe von vielen gehört über diesen Mann, wieviel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem angetan hat; und hier hat er Vollmacht von den Hohenpriestern, alle gefangen zu nehmen, die deinen Namen anrufen. Doch der Herr sprach zu ihm: Geh nur hin; denn dieser ist mein auserwähltes Werkzeug, dass er meinen Namen trage vor Heiden und vor Könige und vor das Volk Israel. Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muss um meines Namens willen. Und Hananias ging hin und kam in das Haus und legte die Hände auf ihn und sprach: Lieber Bruder Saul, der Herr hat mich gesandt, Jesus, der dir auf dem Wege hierher erschienen ist, dass du wieder sehend und mit dem heiligen Geist erfüllt werdest. Und sogleich fiel es von seinen Augen wie Schuppen, und er wurde wieder sehend; und er stand auf, ließ sich taufen und nahm Speise zu sich und stärkte sich.
Saulus blieb aber einige Tage bei den Jüngern in Damaskus. Und alsbald predigte er in den Synagogen von Jesus, dass dieser Gottes Sohn sei. Alle aber, die es hörten, entsetzten sich und sprachen: Ist das nicht der, der in Jerusalem alle vernichten wollte, die diesen Namen anrufen, und ist er nicht deshalb hierher gekommen, daß er sie gefesselt zu den Hohenpriestern führe? Saulus aber gewann immer mehr an Kraft und trieb die Juden in die Enge, die in Damaskus wohnten, und bewies, daß Jesus der Christus ist. Nach mehreren Tagen aber hielten die Juden Rat und beschlossen, ihn zu töten. Aber es wurde Saulus bekannt, daß sie ihm nachstellten. Sie bewachten Tag und Nacht auch die Tore, um ihn zu töten. Da nahmen ihn seine Jünger bei Nacht und ließen ihn in einem Korb die Mauer hinab.

Als er aber nach Jerusalem kam, versuchte er, sich zu den Jüngern zu halten; doch sie fürchteten sich alle vor ihm und glaubten nicht, daß er ein Jünger wäre. Barnabas aber nahm ihn zu sich und führte ihn zu den Aposteln und erzählte ihnen, wie Saulus auf dem Wege den Herrn gesehen und daß der mit ihm geredet und wie er in Damaskus im Namen Jesu frei und offen gepredigt hätte. Und er ging bei ihnen in Jerusalem ein und aus und predigte im Namen des Herrn frei und offen. Er redete und stritt auch mit den griechischen Juden; aber sie stellten ihm nach, um ihn zu töten. Als das die Brüder erfuhren, geleiteten sie ihn nach Cäsarea und schickten ihn weiter nach Tarsus.

So hatte nun die Gemeinde Frieden in ganz Judäa und Galiläa und Samarien und baute sich auf und lebte in der Furcht des Herrn und mehrte sich unter dem Beistand des heiligen Geistes

 

Wir besichtigen das Nationalmuseum in Damaskus. Beeindruckend am Anfang des Rundganges ist die Originalfassade des omajjadischen Wüstenpalasts Qasr al-Hair al-Gharbi, ein aus zwei halbzylindrischen Säulen und einem rechteckigen Portal bestehendes, typisches elektizistisches Werk des frühen 8. Jahrhundert. Eine Ausstellung von ausgegrabenen Figuren (über 1000 solcher Figuren wurden gefunden) ist zu sehen. Sie sollen einen Alter von 4500 Jahren haben und stehen alle bis auf wenige Ausnahmen  mit dem linken Bein nach vorn und dem rechten Bein nach hinten.

Das älteste Alphabet der Welt mit 17 Buchstaben wurde auf der Sinai Halbinsel gefunden. In Beirut das mit 21 Buchstaben aber das mit 30 Buchstaben das komplette älteste Alphabet wurde in Syrien gefunden. Das Abbild befindet sich auf der 500 Pfund Note und das Original nicht hier im Museum, sondern im Louvre in Paris.

Weiterhin sehen wir Siegel als Rolle (Rollsiegel), die als Kette um den Hals getragen wurden. Als letztes besichtigen wir die sensationell gut erhaltene Synagoge aus dem Grabungsfeld von Dura-Europa am Euphrat. In dem dunklen Raum sind herrliche 1700 Jahre alte Fresken mit alttestamentarischen Darstellungen zu sehen. 

Die Besichtigung des Nationalmuseums dauert  im Schnelldurchgang eine Stunde und macht auf mich einen museologisch spartanischen Eindruck. Na ja, die" Louvre verwöhnten" Europäer sind halt schwer zufrieden zu stellen.

Neben dem Nationalmuseum steht die Tekkiye as-Suleimaniye. Diese Moschee mit ihren Doppelminaretten wurde 1553-1559 auf Geheiß und zu Ehren Suleiman des Prächtigen erbaut und diente als Hauptzweck den mittellosen Mekkapilgern Obdach zu gewähren.

Nun geht es in die Altstadt von Damaskus. Natürlich durch den orientalischen Basar oder auch Suq genannt, mit seinen Läden aus 1000 und einer Nacht. Der Suq erhielt 1873 ein Tonnendach aus Stahltraversen und Wellblech, welches die Straße überspannt. 1925 beim gescheiterten Drusenaufstand gegen die französische Besatzung wurde es vom Flugzeug aus mit Maschinengewehrfeuer zersiebt, so dass es jetzt manchmal wie ein Sternenhimmel aussieht, wenn das Licht hereinfällt.  Der Gewürzbasar, wo es auch viele leckere Süßigkeiten gibt, bleibt mir nachhaltig in Erinnerung. Erstaunlich fand ich auch, daß in der Parfümerie die Essenzen nach der Duftprobe des Käufers mit einer Spritze aus dem großen Glasgefäß gehoben und in die kleine Glasflasche für zu Hause umgefüllt wurden. Da ist nix mit teuren Markenparfüm!!!

Wir besichtigen das Grab des Saladin, der die Kreuzritter vertrieben und als Nationalheld verehrt wird. Er starb im Jahre 1193, übrigens völlig verarmt. Ein Prunksarkophag aus Marmor sticht ins Auge. Es ist ein Gastgeschenk von Kaiser Wilhelm dem II. von seinem Besuch 1898 in Damaskus, welches damals unter türkischer Herrschaft stand. Der ältere Holzsarkophag steht neben diesem Gastgeschenk und da sollen Saladins Gebeine immer noch drin sein. Die deutsche Diplomatie hatte schlecht recherchiert und wusste nicht, dass  Moslems nach der Beisetzung nicht mehr Umgebettet werden dürfen. Es ist gerade 12.00 Uhr und der Muezzin ruft die Gläubigen zum Gebet. Hier in der Damaskuser Omajjadenmoschee noch persönlich, sonst läuft überall ein Tonband. Dadurch werden wir auch gedanklich auf den Besuch der Omajjadenmoschee vorbereite und nicht nur durch diese putzigen braunen Umhänge der weiblichen Reiseteilnehmer, wie man sie von Schaubergwerken her kennt und die dazu dienen sollen alle weiblichen Reize zu verdecken. Die Omajjadenmoschee oder auch Große Moschee genannt, ist das geographische und spirituelle Zentrum der Stadt und wurde zwischen 705 und 715 an einer Stelle errichtet, wo sonst  die Aramäer zu ihren Wettergott Bel Hadad und später die Römer zu Jupiter beteten. Der Innenhof macht mit seinen 50 x120 Metern einen gewaltigen Eindruck. Dagegen ist die Innenausstattung des Gebetssaales nach den strengen Dogmen des frühen Islam eher karg. In der Moschee gibt es eine gesonderte Begräbnisstätte, nämlich die Stätte von Johannes dem Täufer seinen Kopf. Er wurde im 4. Jahrhundert an dieser Stelle gefunden in einer Gruft mit Treppe. Dort befand sich eine Holzkiste mit dem Schädel und einem Schriftstück über die Herkunft des Schädels. Das Original befindet sich jetzt in Istanbul.

Weiter geht es zur Paulus Kirche oder auch Annanias Kapelle in den Untergrund von Damaskus. Sie ist die älteste christliche Kirche der Welt, da es eine Geheimkirche bis zum Konzil 325 oder 312 zur  Aufhebung der Christenverfolgung durch den römischen Kaiser Nero war. Hier Apostelgeschichte von Paulus. Paulus wurde in Rom hingerichtet. 63 nach dem großen Brand in Rom. Er kam mit dem Schiff über Malta (Schiffbruch).

Als Tagesausklang dürfen wir noch ein Patrizierhaus mit seinen drei Innenhöfen besichtigen.

Das Abendbrot gibt es in einer Folkloregaststätte mit einem wunderschönen Büfett und Livemusik. Dazu tritt eine Tanzgruppe auf, die es schafft mit drei Personen auf der Schulter übereinander zu tanzen und obendrauf immer den Wirt der Gaststätte, ein Liliputaner.

 

2. TAG

6.00 Uhr wecken und ausgiebig frühstücken. Die Müdigkeit sitzt mir immer noch in den Knochen. Das Tagesziel ist Aleppo im Norden, wo ich im Flugzeug schon einmal ausgestiegen war. Als erstes gibt es noch einen Stopp am der Paulus-Kapelle. Sie kennzeichnet jene Stelle der Stadtmauer, an der sich der flüchtende Apostel in einem Korb abseilen ließ.

Als zweites besichtigen wir nur 20 Kilometer von Damaskus entfernt das Notre Dome de Sednaya, wo eine Originalikone, vom Apostel Lukas gemalt, aufbewahrt wird. Es stammt aus dem Jahre 547 und wurde vom byzantinischen Kaiser Justizian gegründet, nachdem er bei der Jagt auf eine Gazelle eine Marienerscheinung hatte. Der Glockenturm ist bereits mit Hightech ausgerüstet. Der Glockenschlegel wird mit einer riesigen Elektromagnetspule bewegt. Als nächstes ist Maalula an der Reihe. Wir besichtigen das Kloster Mar Sarkis, welches Sergius und Bacchus, den beiden ersten christlichen Märtyrern des Landes geweiht ist.  Hier hören wir das Vaterunser in Aramäisch, welches zu Zeiten Jesus gesprochen wurde. Diese Sprache hat sich als Linguistische-Sprachinsel in den drei benachbarten Dörfern wie durch ein Wunder bis in unsere heutige Zeit erhalten. 
Durch die Felsenschlucht welche sich nach flehenden Gebeten von Mar Thekla, einer Schülerin des Paulus, aufgetan hatte, wandern wir eine halbe Stunde zu dem gleichnamigen Kloster. In einer Grotte verbrachte die nun vor den Räschern ihres heidnischen Vaters gerettete Thekla den Rest ihres frommen Lebens.

Der Tag neigt sich schon langsam zu Ende, als wir  Apameia erreichen. Sie ist neben Bosra und Palmyra die bedeutendste hellenistische-römische Stadtanlage Syriens. Hier war eine Zuchtstation mit 30.000 Pferden für die Kavallerie und 500 Kriegselefanten bewachten den Staatsschatz. 
Die 12,5 km lange "Grade Straße" mit ihren Säulenarkaden läßt uns die einstige Dimension dieser Stadt erahnen.

 

3. TAG

Ausschlafen ist fehl am Platze. Wir sind auf den Weg ins Simeonkloster. Die Türkische Grenze ist in Sichtweite nur " 500 Syrische Meter " entfernt. Während der Busfahrt erfahren wir etwas über die syrische Mafia, wie sie den Immobilienmarkt beherrscht und riesigen Profite zieht. 
Simon lebte im 3. Jahrhundert und war als Asket bekannt und beschloss alleine zu leben. Um von den Menschen weit entfernt und dem Himmel nahe zu sein, lebte er auf einer Säule. Ihm wurde Heilungen nachgesagt und es setzte eine Pilgerbewegung ein zu der Säule. In der Geschichtsschreibung werden diese auch als Säulenheilige bezeichnet. Nach dem Tot von Simon wurde an der Stelle wo seine Säule stand das Kloster errichtet. Es war bis ins 12 Jahrhundert aktiv. In den Mauern konnten wir ein Malteserkreuz sehen. Dieses arabische Kreutz gelangte erst mit den Kreutzrittern als ihr christliches Symbol auf ihren Rückzug in  ihrer letzten Machthochburg nach Malta.

Wie viel verdient eigentlich ein Syrier? Ein Behördenmensch bekommt zwischen 200 und 400 DM im  Monat. Den Rest bis 1000 oder 1500 wird durch Bakschisch (Trinkgeld) oder ein 2. bzw. 3. Job abgedeckt. Korruption wollte der neue Präsident abschaffen, es ist ihm aber nicht gelungen. Frauen gehen nicht zur Arbeit, bis auf ein Gewerbe, welches das älteste der Welt sein soll. Sie haben sich um das Wohl der Männer, den Haushalt und die Kinder zu kümmern. Liebesheirat ist ausgeschlossen. Die Frauen werden in der weitläufigen Verwandtschaft vielleicht auch Bekanntschaft durch Beauftragung eines familiären Heiratsvermittlers gesucht. Der Mann muss viel Geld bezahlen, wenn sich die Familien denn über den Handel einig geworden sind. Beliebt sind Syrier, die als Gastarbeiter in Kuwait oder Saudi-Arabien gearbeitet und viel Geld verdient haben. In letzter Zeit haben diese Länder ihre Gastarbeiter aber aus Indien rekrutiert um die Solidaritätseffekte mit der einheimischen Bevölkerung zu unterbinden. Wohnungsmiete gibt es nicht, oder nur vereinzelt für Studenten und Militärangehörige. Alle Wohnungen sind Eigentumswohnungen. Wenn zum Beispiel ein junges Paar heiratet und kein Vermögen besitzt, kann es mit einer Anzahlung von 500 DM und einer Monatsrate von 25 DM eine Wohnung beziehen und nach 25 Jahren ist diese ihr Eigentum. 

Wir fahren nun nach Ella. Eine Ruinenstadt, die seit 1963 mit Hilfe von Italien ausgegraben wird. Berühmt wurde sie durch die im Jahre 1973 gefundenen 17030 Tontafeln mit Keilschrift, einer bis dahin nicht belegten semitischen Sprache. Das Grabungsfeld sieht eher langweilig aus. Nur der  im Zentrum stehende Tell ist erstaunlich hoch. Als Souvenirs gibt es "originale" Tontafeln zu kaufen. Zur Befriedigung der aufkommenden Kauflust wird der Besuch des Basars in Aleppo ins Auge gefasst. Er ist mit 18 km überdachter Ladenstraße und 6000 Läden der größte der Welt. Da hier ca. 15. 000 Menschen (natürlich nur Männer) arbeiten, ist es schon verwunderlich, dass es keine einzige Toilette gibt. Das Codewort welches unser Reiseleiter dafür ausgegeben hat lautete "Ich muss mal den Sultan anrufen". Wo kein Sultan ist, kann man aber auch keinen anrufen. Aha, in den Gebetsräumen und Moscheen, die in der Basaranlage integriert sind, kann man sich waschen (Reinigungszeremonie vor dem Gebet) und seine Notdurft verrichten. Benutzen der Räume durch Touristen, Ungläubige oder Andersgläubige ist nicht erwünscht.

 

4. TAG

Fast ausschlafen bis 07.15 Uhr. Die Überraschung des Tages ist Regen. 
Die best erhaltenen Kreutzritterburgen steht heute auf dem Programm. Da wir von Aleppo aus starten besichtigen wir noch die hiesige Zitadelle der Stadt, die von Saladin als Bollwerk gegen die Kreuzritter bauen ließ. Spannend bei dieser Besichtigung waren  die Wehranlagen, der Thronsaal mit einer herrlich restaurierten Decke und das Orientalische Dampfbad.

Granatapfelsirup ist die beste Medizin gegen die Rache des Montesuma. Der Sirupbedarf stieg mit der Länge der Reise. Übereinstimmend wurde von der exzellenten Heilwirkung gesprochen. 

                                                                                                            

Hey, das Mittelmeer. Wir sind in Ogaret einer Stadt, die 1400 vor Christi nach einem schweren Erdbeben wieder aufgebaut wurde. Ihre Anfänge reichen bis ca. 7000 v. Chr. zurück.

Ich stelle fest, daß bei mir eine gewisse Pflastermüdigkeit bzw. Ruinemüdigkeit einsetzt. Ogaret (der alte Name lautet Ugarit) ist aber die Fundstätte des ersten 30buchstabigen Alphabetes und uns wird auch das Haus des Robano gezeigt. Er gilt als Erfinder der ersten Musiknote. Das Original liegt im Louvre in Paris. Da muss ich auch mal wieder hin. Beim letzten Besuch war die Ägyptisch/Syrische Abteilung geschlossen.

Krak des Chevaliers ist die best erhaltene Kreuzritterburg. In 5 Jahren entstand der äußere Schutzwall und in weiteren 70 Jahren wurde die innere Zitadelle gebaut. Sie galt als nicht eroberbar. Nur mit dem Trick, sich als Christliche Pilger verkleidet zu haben, gelangten die Mamelucken  über die nun heruntergelassene  Zugbrücke und konnten die Kreutzritter durch lahm legen der Trinkwasserversorgung zur Aufgabe zwingen.

Überraschung! Wir haben einen Badestop am Mittelmeer. Ehe unser Reiseleiter Umkleidekabinenschlüssel organisiert hatte waren wir schon im Wasser. Die Sachsen sind da unkompliziert. Einen wilden Strand gibt es an der Küste nicht. Deswegen mussten wir ein offizielles Bad benutzen, welche natürlich  um diese Jahreszeit geschlossen ist. Nur Verrückte würden im tiefsten Winter ins Mittelmeer (ca. 16 Grad C ) baden gehen. Erstaunlicherweise war mehr als die Hälfte der Gruppe im Wasser. Für arabische Verhältnisse war die Umkleideaktion eine Peepshow mit Extras.

Und endlich geht es in die Wüste nach Palmyra! Die Wüste, die mich nicht mehr seit meiner ersten Begegnung 1996 in Jordanien loslässt. Mittlerweile ist es Nacht geworden und wir haben Gelegenheit bei einem Stop den Sternenhimmel zu bewundern. In der Wüste hängen die Sterne einfach tiefer, phantastisch.

Wüstenpanorama schon am Frühstuckstisch. Palmyra, die Wüstenoase, die nachweislich schon 2000 v. Chr. existierte. Die heutigen Anlagen entstanden von 100 v. Chr. bis 300 n. Chr. Der Baaltempel erinnert mich sehr an ägyptische also typische orientalische  Tempelanlagen mit einem große Innenhof und Fenstern in den Außenmauern. Der Baaltempel ist der Opfertempel für Sonne und Himmel. Die Pilgerprozession setzte im April jeden Jahres ein. Auch damals musste schon Eintritt (Spende) bezahlt werden. Je mehr man bezahlte, desto größer war die Zuteilung vom Opferfleisch, welches an dem 6. April geschlachtet wurde. Im Allerheiligsten gibt es eine Himmelskuppel mit 7 Figuren in der Deckennische. Daher stammt das Sprichwort " Schön wie im 7.Himmel" versucht uns unser Reiseleiter Kais beizubringen. In Balbeck lebten einst 500.000 Menschen und die Oase war sehr fruchtbar und vor allem wasserreich. Die Hauptquelle, die seit über Hunderten von Jahren die Lebensgrundlage bildete, versiegte 1992. Bis dahin war es eine Attraktion in einer benachbarten Felsgrotte zu baden. Die Tiefbrunnen für Hotels und Wüstenbewässerung scheinen nicht im Einklang mit der Natur zu stehen. Als wir mittags unser Reisegepäck vom Hotel holten, besichtigte ich den angrenzenden Garten und traf auf einen Gartenbeduine mit drei Ziegen. Er zeigte mir  voller Stolz seinen Garten mit Dattelpalmen, Oliven-, Pfirsich-, Feige und Granatapfelbäumen. Die Oliven sind nicht zum Essen, sondern nur zum Ölpressen geeignet, konnte er mir mit Gestik vermitteln.

 

Verlängerung

Die Hälfte der Gruppe fliegt nach Deutschland zurück und wir dürfen ausschlafen. Anschließend besichtigen wir die Intarsienrestaurationswerkstatt von Kayes, unserem Reiseleiter. Natürlich können wir dort auch Souvenirs kaufen. Ich denke, daß er mit unseren Einkäufen sehr zufrieden war. Wie er uns danach erzählte, kaufen die DDR-Deutschen 2-3 mal mehr als die Alt-Deutschen die im 5 Sterne Hotel absteigen. 
Bis zum Orientalischen Bad in der Altstadt wird noch im Basar gebummelt. Heute ist es kühl und windig, so daß wir gleich nach dem Bad mit dem Bus ins Hotel fahren werden. Nun aber hinein ins Vergnügen nach dem wir die Frauen in ein anderes Bad gebracht haben. Die Sittenstränge des Orient oder besser des Islam lässt keinen Mix zu und auch untereinander wird sich verhüllt. Also entkleiden wir uns und sollen darauf achten ,uns schon zu verhüllen, bevor wir das letzte Höschen ausziehen. Mit Baumwolltüchern vom Bauchknopf bis zu den Knien verhangen besetzen wir die Sauna. Drei Personen die obere Bank und drei Personen die untere. Nachdem wir ordentlich aufgeheizt waren, kam der Saunahelfer und kippte ein ganzen Eimer Wasser über die Saunaheizung. Die Temperatur stieg durch die hohe Luftfeuchtigkeit sofort an die Schmerzgrenze und schon ging die Tür wieder auf und der nächste Eimer Wasser kam - aber diesmal direkt auf unsere Körper. Die Überraschung und das anschließende Gejohle war sicher vom Feinsten. Hochwürden nahm den freigewordenen Platz am Saunaeingang ein und wir berichteten über den bisherigen Saunaverlauf. Da öffnete sich wieder die Tür und der dritte Eimer Wasser landete frontal im Gesicht von Hochwürden. Noch niemals nie habe ich unseren Pfarrer so quietschen gehört und die nun einsetzenden Lachsalven aller Saunagänger waren vom Feinsten und hätten bestimmt noch eine Weile angehalten, wenn nicht akute Atemnot diese erstickt hätte. Nächste Etappe war das Dampfbad, danach die Reinigung mit einem rauen Hanflappen, wieder Dampfsauna, eine Ganzkörpermassage und weiter mit Dampfsauna bis zum Abwinken. Zwei Stunden waren wir im Nassbereich und eine weitere im Entspannungsbereich. Wir saßen mit trockenen Tüchern eingewickelt einem Araber sehr ähnlich aussehend und Wasser oder Kamillentee trinkend,  schwatzend da, eben einfach wie im Orient. Ein Hochgenus für Leib und Seele. Hier habe ich wie alle zum Ersten Mal Olivenseife zur Reinigung verwendet, konnte diesem herben Duft aber keine Freude abgewinnen. Jonas, unser quicklebendiger Pfarrersohn, fand sie dagegen super, weil sie wie beim Eisstockschießen so schön über den nassen Fußboden gleitet. Mit einem Mitspieler in der anderen Raumecke konnte man so in kürzester Zeit eine schöne Schlierseifenbahn erzeugen. Hier bewarten uns die zugeteilten griffigen Holzschuhe sicher vor einem Salto mortale.

Am 2. Tag der Verlängerung wurde mir ein Herzenswunsch erfüllt, ein Ausflug nach den Libanon. Ich betrachte es mit großer  Dankbarkeit, daß er zustande kam, da wir nur mit einem Gruppenvisa die Grenze passieren konnten und alle 29 Teilnehmer somit sich für den Libanon interessieren mussten. Danke! Danke! Danke! Die Grenzformalitäten kann man mit Bakschisch auf das Niveau der DDR - Tschechei - Grenze drücken, so dass wir jeweils in einer Stunde geschafft hatten. Der Libanon - auch die Schweiz des Orient genannt - ist durch den Bürgerkrieg verarmt und beginnt sich jetzt erst langsam wieder zu erholen. Vom Warenangebot hat man einen westlicheren Eindruck, auch die Reklamemaschine scheint wesentlich hochtouriger zu laufen und es gibt hier McDonalds, die in Syrien nicht erlaubt sind. Prägender Eindruck ist aber die unglaublich hohe Militärpräsenz. Panzerstellungen, Panzerspähwagen, Flagggeschütze, Raketensilos, Flugabwehrgeschütze, Radarstellungen,...  also der komplette militärische Krempel flog augenscheinlich an unseren Busfenstern vorbei. Wenigstens aller 5 Kilometer war eine Straßensperre entweder von der Syrischen, der Libanesischen Armee oder der Hisbollah und das immer im Wechsel. Hier tragen die kontrollierenden  Soldaten zusätzlich kugelsichere Westen und Stahlhelme, welches auf mich einen bedrohlichen Eindruck macht, an die locker griffbereit über die Schulter baumelnden MP's hatten wir uns schon in Syrien gewöhnt.

Ziel der Reise ist die Tempelanlage von  Baalbek. Die Stadt selbst ist erst seit 1993 wieder völlig gefahrlos zu besuchen Sie war während des Bürgerkrieges Hauptquartier der Hisbollah und wegen der hier versteckten Geiseln berüchtigt.

Bei der Ankunft konnten wir ein Steinquader für das Fundament der Tempelanlage  mit einem Gewicht von 12.000  Tonnen besichtigen, der nicht verarbeitet wurde. Kayes, unser Reiseleiter, meinte, er wurde nicht gebraucht. Vielleicht war er doch zu schwer? Aber warum teilte man ihn dann nicht in zwei Hälften? Ich verstehe es nicht. Im Fundament der Tempelanlage wurden drei so riesige Steinquader mit je 800 Tonnen Gewicht gefunden. Das ist Weltrekord und keiner weiß, wie diese Kolosse bewegt wurden. Noch einen weiteren Weltrekord gibt es in der Tempelanlage. Die 54 Säulen des Jupitertempels, von denen nur noch 6 Stück stehen sind 23 Meter hoch und 2,2 Meter stark. Ein 5 Meter hohes Gebälk auf den Kapitellen verstärkt noch den monomentalen Eindruck. Die Säulen sind gleichzeitig das Wahrzeichen von Baalbek und der Jupitertempel der größte im Römischen Reich überhaupt. Ein weiterer Tempel, der Bacchustempel, ist erstaunlich gut erhalten und scheinbar auch noch sehr stabil. Eine bei einem Erdbeben umgefallene Säule konnte die Mauerbausteine nur wenige Zentimeter verschieben. Auch hier war Kaiser Wilhelm der II., woran eine Gedenktafel im Tempelinneren erinnert.

Was macht man am letzen Tag einer so erlebnisreichen Reise? Stadtbummel, Mitbringsel kaufen und die Seele baumeln lassen? Diese Möglichkeit wird zu Gunsten eines Ausfluges in den Südlibanon verworfen. Wir fahren also in das Drusengebiet nördlich der Golanhöhen. Die Drusen gelten als Religionsgemeinschaft, die im 11. Jahrhundert  in Kairo entstand. Wegen damaligen Verfolgungen halten sie ihre Glaubenslehre geheim. Druse kann man nicht werden, sondern man ist es von Geburt an. Nur ein kleiner Teil der Drusen ist " Wissender" , also in die Geheimnisse der Religion eingeweiht. Die Mehrzahl der "Unwissenden" richten sich nach den Anweisungen der "Wissenden". Sie bestimmen auch, ob ein Aufnahmekandidat über genügend Wissen, Reife, Treue, Verantwortungsbewusstsein und Verschwiegenheit verfügt. Sie glauben an Seelenwanderung und Wiedergeburt. Die Volksgruppe zählt ca. 4 Millionen Menschen.,,,,,,,

Heiko H. Fehrmann

 

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